23.09.2021 - 17:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Umfragen: Mehr Oberpfälzer Abgeordnete im neuen Bundestag

Der Bundestag wird immer größer. Das dürfte auch am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale so sein. Vom Zuwachs könnten auch Oberpfälzer Bundestagskandidaten profitieren.

Schon vor vier Jahren mussten nach der Bundestagswahl zusätzliche Stühle in den Plenarsaal eingebaut werden, weil die Zahl der Abgeordneten so gestiegen war.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Frage "Was wäre, wenn ...? bewegt vor jeder Wahl Kandidaten und Wähler. Kandidaten fragen sich, ob es realistisch ist, auf einen Einzug in den Bundestag zu hoffen. Wählerinnen und Wähler überlegen, ob ihr Kandidat es denn schaffen könnte und ob ihre Partei regieren wird. Den Treibstoff für diese Überlegungen und Spekulationen liefern Umfragen, auch vor dieser Bundestagswahl.

Wie viele und welche Parteien sich nach der Wahl an diesem Sonntag zusammenfinden und eine Regierungskoalition bilden, ist diesmal besonders schwer abzuschätzen. Zu viele verschiedene Bündnisse scheinen möglich. Etwas klarer zeichnet sich dagegen ab, wie viele Oberpfälzer in den nächsten Bundestag einziehen könnten. Die Antwort: Es dürften so viele werden wie schon lange nicht mehr.

Grünen können auf bis zu drei Abgeordnete hoffen

Da sind die Oberpfälzer Grünen, die bislang nur durch einen Abgeordneten im Bundestag vertreten sind. Sie könnten die Zahl der Abgeordneten verdoppeln oder sogar verdreifachen. Sollte Bündnis 90/Die Grünen bei der Wahl die gegenwärtigen Umfragewerte erreichen, dürfte neben dem bisherigen Abgeordneten Stefan Schmidt aus Regensburg auch Tina Winklmann aus Wackersdorf (Kreis Schwandorf) im nächsten Bundestag Platz nehmen. Die Grünen hoffen, dass auch Wiebke Richter aus Regensburg künftig ihre Riege im Bundestag verstärken wird. Allerdings gilt Platz 23 auf der Landesliste, auf dem Wiebke kandidiert, als Wackelplatz.

Allerdings könnten die Grünen als eher kleinere Partei, auch davon profitieren, dass der nächste Bundestag deutlich größer werden dürfte als der bisherige. Statt 709 wie bisher könnte das deutsche Parlament künftig mehr als 800, manche sagen sogar mehr als 900 Abgeordnete umfassen. Das ist den Überhang- und Ausgleichsmandaten geschuldet.

Mindestens zehn Überhangmandate für die CSU

Laut den Umfragen zeichnet sich ab, dass in Bayern die CSU deutlich mehr Direktmandate gewinnen könnte, als ihr Sitze gemäß ihres Zweitstimmen-Anteils zustehen würden. Mehr als 40 Direktmandate dürften es werden, darunter die vier Oberpfälzer: Albert Rupprecht in Weiden, Susanne Hierl in Amberg, Martina Englhardt-Kopf in Schwandorf sowie Peter Aumer in Regensburg.

Bei einem Bundestag von 598 Abgeordneten, der im Wahlgesetz vorgesehen Regelgröße, hätte die CSU angesichts der gegenwärtigen Umfragewerte aber nur rund 30 Mandate. Da die im Wahlkreis gewählten Abgeordneten einer Partei aber auf jeden Fall zustehen, entstehen Überhangmandate. In dieser Überschlagsrechnung wären es bei der CSU mindestens 10. Sollte die CSU mehr als 40 Direktmandate gewinnen, würde die Zahl der Überhangmandate entsprechen wachsen. Sollte die CSU einen höheren Zweitstimmenanteil erhalten, würde dies die Zahl der Überhangmandate entsprechend reduzieren.

Damit das Verhältnis der Zweitstimmen zwischen den Parteien nicht verzerrt wird, bekommen die anderen Parteien Ausgleichsmandate: Die Gesamtzahl des Bundestages wird so lange vergrößert, bis jede Partei den Anteil an Bundestagsabgeordneten hat, der ihrem Anteil an den Zweitstimmen entspricht. Seit der Wahlrechts-Reform aus dem Jahr 2020 werden bis zu drei Überhangmandate nicht ausgeglichen. Niemand erwartet aber, dass dies das Wachstum des Bundestages deutlich bremsen wird.

Möglicherweise drei Abgeordnete für Oberpfälzer SPD

Auf Zuwachs kann die Oberpfälzer SPD hoffen. Vor vier Jahren waren 18 Frauen und Männer der bayerischen SPD in den Bundestag eingezogen, darunter Uli Grötsch aus den Wahlkreis Weiden und Mariann Schieder aus dem Wahlkreis Schwandorf. Im Jahr 2017 hatten die Sozialdemokraten im Freistaat 15,3 Prozent erreicht. Diesmal verheißen die Umfragen der SPD 18 Prozent. Daher kann auch die Oberpfälzer SPD-Vorsitzende Carolin Wagner aus Regensburg, die auf Platz 22 der Landesliste kandidiert, auf ein Ticket für den Bundestag hoffen. Bei der Oberpfälzer SPD heißt es dazu nur: "Wir hoffen, dass es drei Abgeordnete werden, warten aber in aller Demut die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler ab."

Umfragen verheißen der FDP im Freistaat derzeit 12 Prozent. Vier Jahre zuvor lagen die Liberalen bei 10,2 Prozent. Damals zogen zwölf FDP-Abgeordnete aus Bayern in den Bundestag ein, darunter der Regensburger Direktkandidat Ulrich Lechte. Er kandidiert diesmal auf Platz acht der Landesliste. Hoffnungen darf sich auch der Amberger FDP-Direktkandidat Nils Gründer machen. Er kandidiert auf Platz 15 der Landesliste. Für Ines Tegtmeier aus Roding (Kreis Cham) auf Platz 17 dürfte es nur reichen, wenn die FDP deutlich zulegt.

Nervenkitzel weit nach Schließung der Wahllokale

Mit Eva-Maria Elisabeth Schreiber könnte die Oberpfälzer Linkspartei erstmals eine Bundestagsabgeordnete nach Berlin senden. Sie kandidiert im Wahlkreis Regensburg und auf Platz sieben der Landesliste. Allerdings liegt ihre Partei in Umfragen derzeit unter dem Ergebnis von 2017. Aber möglicherweise fällt ihr ein Ausgleichsmandat zu.

Eine nervenzehrenden Listenplatz hat auch der AfD-Politiker Manfred Schiller, der sich im Wahlkreis Weiden um ein Bundestagsmandat bewirbt. Er kandidiert auf Platz 15 der Landesliste. Vor vier Jahren waren 14 AfD-Abgeordnete aus Bayern in den Bundestag eingezogen. Damals hatte die Partei 12,4 Prozent erreicht. In den Umfragen liegt die Partei derzeit etwas unter diesem Wert. Allerdings könnte die AfD von Ausgleichsmandaten profitieren. Schiller wäre nach Peter Boehringer der zweite Oberpfälzer AfD-Bundestagsabgeordnete.

Ob dies tatsächlich so kommt, zeigt sich erst nach Auszählung der Stimmen. Es bleibt also trotz aller Umfragen, Überschlagsrechnungen und Spekulationen auch nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr am Sonntag spannend. Der Nervenkitzel geht bis in die Nacht weiter, bis das endgültige Ergebnis vorliegt.

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Hintergrund:

Größe des Bundestages

  • Für den Bundestag sind laut Bundeswahlgesetz regulär 598 Sitze vorgesehen.
  • Laut §1 des Bundeswahlgesetzes werden 299 Abgeordnete direkt in den Wahlkreisen und die übrigen nach Landeslisten gewählt.
  • Seit der Bundestagswahl vor vier Jahren hat hat der Bundestag
    709 Mitglieder. Der Grund sind die 46 Überhangmandate und 65 Ausgleichsmandate, die zu den 598 Sitzen dazukommen.

 

 

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