11.03.2019 - 16:30 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Sturm "Eberhard" nicht ungewöhnlich

Hunderte Einsätze alleine für die Oberpfälzer Helfer. Ist Sturmtief "Eberhard" ein neuer Beleg für stürmische Zeiten? Eher nicht, findet Wetter-Experte Andy Neumaier. Denn die Oberpfalz hat schon ganz andere Wetterlagen erlebt

Das große Aufräumen nach Sturmtief"Eberhard"
von Andy NeumaierProfil

Sonntag: Sturm "Eberhard" quält die Republik mit Böen, Regen und Gewittern. In Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg, dem Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz wurde Sturmstärke erreicht. Im Landkreis Tirschenreuth erreichten Böen 100 Kilometer in der Stunde, 94 waren es in Weiden, 97 in Kümmersbruck.

Doch Moment: Streng genommen sprechen wir damit in der Oberpfalz lediglich von starkem Wind (Windstärke 6) mit einzelnen schweren Sturm- (Windstärke 10) und vereinzelten orkanartigen Böen (Windstärke 11). Den Rest erledigt der Hype. Denn mal ehrlich: Trotz der Behinderungen hat die Region schon schlimmeres erlebt.

Erbendorf
Weiden in der Oberpfalz
Oberviechtach
Amberg
Weiden in der Oberpfalz
Weiden in der Oberpfalz
Tirschenreuth
Fuchsmühl

Tatsächlich können die Einsatzkräfte in der Oberpfalz beeindruckende Arbeitsnachweise vorlegen. Insgesamt kommt die Region aber mit einem blauen Auge davon, abgesehen von einigen Leichtverletzten. Bei der ILS Nordoberpfalz gingen zwischen 16 und 24 Uhr 404 Notrufe ein daraus ergaben sich 192 Einsätze, es gab sechs Leichtverletzte. Etwas ruhiger, aber sicher nicht ruhig in Amberg: 149 Einsätze zählten dort die Disponenten für die Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie die Stadt Amberg. "Dabei sind Einsätze nicht erfasst, von denen die Helfer vor Ort erfahren haben, ohne dass wir eingeschaltet waren", erklärt ILS-Leiter Armin Buchwald. Die Zahlen dürften also steigen. Die Oberpfälzer Polizei war in mehr als 200 Fällen "sturmtiefbezogen" gefordert. Größere Schäden gab es nicht. Eine Ausnahme stellt die Bezirkshauptstadt dar: "In der Regensburger Benzstraße jedoch fiel kurz vor Mitternacht ein Baum um und beschädigte fünf geparkte Fahrzeuge. Eine Schadenshöhe ist hier noch nicht bekannt", heißt es im Bericht der Regensburger Beamten. Ganz ähnlich die Bilanz im nahen Oberfranken: Hier wurde die Polizei 289 Mal zu Hilfe gerufen. Auch hier blieben die großen Schäden und Verletzte aus.

Die Spezialisten vom Bayernwerk waren ebenfalls besonders in Oberfranken und der Oberpfalz gefordert. "In Summe waren über die Nacht mehrere zehntausend Haushalte zeitweise ohne Stromversorgung", meldet der Netzbetreiber für ganz Bayern. Bei Störnstein verletzte sich ein Bayernwerk-Mitarbeiter als er mit seinem Auto im Graben landete. Zum Verhängnis wäre der Sturm beinahe dem Eishockey-Team aus Lindau geworden. Auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Weiden schlug ein Verkehrsschild in der Frontscheibe des Mannschaftsbusses ein. Das Team bewies gute Nerven und siegte trotz des Schocks in Weiden.

Alles in allem fällt die Bilanz also vergleichsweise unspektakulär aus. Und auch die Tatsache, dass "Eberhard" zu einer Serie stürmischer Tiefs (Vorgänger Bennet, Cornelius, Dragi) gehört, macht ihn nicht zum Indiz für den Klimawandel. Schon lange bevor das Thema groß wurde, sorgten ähnliche, und schlimmere Orkanserien für Wirbel. Man denke an Vivien und Wiebke im Februar 1990.

Wenn im Frühjahr und Herbst die Temperaturunterschiede zwischen Nord- und Südeuropa besonders groß werden, weil es weit im Norden schon oder noch dunkel und kalt, im Süden n oder noch sonnig und heiß wird, versuchen Tiefs an der Grenze dieser Luftmassen das irgendwie auszugleichen, und die unterschiedlichen Luftmassen zu verwirbeln. Dadurch werden sie besonders kräftig und gehen häufig in Serienproduktion. Das passiert dann eben dooferweise gerne mal genau über uns. Mit "Franz" steht morgen dann übrigens schon der nächste windige Geselle vor der Türe, wird aber wahrscheinlich "nur" mit 50 bis 80 Kilometer pro Stunde durch die Gegend blasen. Es folgen weitere Tiefs mit etwas mehr Potenzial zum Freitag und Samstag hin. Erst die letzte Woche des Monats könnte dann etwas mehr Hochs und wieder ruhigere Zeiten in die Oberpfalz bringen.

Sturm "Eberhard" fällte einen Baum auf der Straße zwischen Neustadt an der Waldnaab und Theisseil.
Sturm "Eberhard" entwurzelte einen Baum nahe der Straße zwischen Neustadt/WN und Theisseil.
Sturm "Eberhard" entwurzelte einen Baum nahe der Straße zwischen Neustadt/WN und Theisseil.
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