23.09.2019 - 19:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mutter der Getöteten wusste von Eheproblemen

Ein Syrer (28) gibt zu, seine Ehefrau erstochen zu haben. Nur behauptet er, sie sei die eigentlich Böse gewesen. Sie habe ihn aufs Blut gereizt. Die 22-Jährige kann sich nicht wehren. Aber aus Syrien und Griechenland melden sich Zeugen.

Nur wenige Zuhörer "verirren" sich in den Prozess gegen einen 28-jährigen Syrer wegen Totschlags an seiner Frau. Dieses Paar stammt zwar auch aus dem Bürgerkriegsland, ist aber nur interessehalber im Zuhörerraum. Täter und Opfer kannte man nicht. Im Hintergrund links Gutachter Dr. Johannes Schwerdtner.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Am Montagnachmittag sagt im Prozess gegen Bandar S. der Sachbearbeiter der Kriminalpolizei Weiden aus. Aus heiterem Himmel stand eine Woche nach der Bluttat in Altenstadt im Januar 2018 eine Zeugin bei der Polizei. Eine Griechin war angeflogen, die von der Tötung ihrer Freundin gehört hatte. Das Opfer Heba A. war 2016 mit ihrem damals einjährigen Sohn dem ersten Mann nach Deutschland hinterhergereist. In Griechenland wurde sie von einer Hilfsorganisation für einige Monate bei eben dieser Griechin in Athen einquartiert. Dieser wuchsen die damals 19-Jährige und ihr Kleiner ans Herz, man hielt Kontakt. Sie erfuhr später auch, dass die Wiederaufnahme der ersten Ehe scheiterte. Das Paar von einst lebte in Deutschland nie zusammen. Sie wusste auch von der neuen Beziehung, die in einer Unterkunft in Etzenricht entstand, als Bandar S. Übersetzungsdienste für die Alleinerziehende leistete.

E-Mail aus Syrien

Bei der Weidener Kripo gingen zudem zwei E-Mails ein: von der Mutter der Getöteten aus Syrien sowie einer palästinensischen Freundin, die jetzt in Österreich lebt. Beide berichten von großen Problemen in der Ehe. Die Mutter beschreibt, dass der Angeklagte ihre Tochter geschlagen habe, ebenso seinen Stiefsohn. Der Bub habe nicht mit am Tisch essen dürfen, sondern in seinem Zimmer. Die Freundin berichtet ähnliches. Der Angeklagte habe es auch nicht gern gesehen, dass seine Frau allein außer Haus ging oder über soziale Netzwerke Kontakte pflegte.

Als Zeuge hat der Kriminalbeamte zudem den ersten Ehemann des Opfers vernommen, der seinen leiblichen Sohn regelmäßig sah. Er lebt inzwischen in Hamburg und hat den jetzt Vierjährigen jetzt zu sich geholt. Beim Umgang habe ihm der Junior früher regelmäßig berichtet, vom Angeklagten geschlagen zu werden, wenn er ihn nicht Papa nenne.

Wie passt das zur Schilderung des Angeklagten, seine Frau sei aggressiv und böse gewesen? Er habe sich zeitweise vor ihr eingeschlossen, um Ruhe zu haben. Der psychiatrische Gutachter Dr. Johannes Schwerdtner sieht "gegenseitige Grenzüberschreitungen im körperlichen und psychischen Bereich". Er habe Bandar S. als eher unreifen, jungen Mann erlebt, der die Kontrolle über seine Frau sicherstellen wollte. Der Syrer gab ein "sehr traditionelles Rollenbild ab". Dass seine Frau rauchte, dass er im Haushalt helfen sollte, störte ihn sehr.

"Umgekehrt kann man davon ausgehen, dass es auch der Frau sehr schlecht ging." Schwerdtner spricht einen Suizidversuch im siebten Schwangerschaftsmonat mit Tabletten an. Die Ehe tat beiden nicht gut. Schwerdtner geht davon aus, dass die 22-Jährige in der Tatnacht ein Ende der Beziehung wollte - eine typische Situation für Tötungsdelikte durch Partner.

Der Gutachter hat sich auch mit der Lebensgeschichte des Angeklagten befasst: Er wuchs bei einem Dorf nahe Daraa auf . Die Schule machte ihm wenig Spaß, lieber war er mit Freunden unterwegs, spielte Fußball, machte Streiche und klaute Wassermelonen. Mehrere Jahre arbeitete Bandar S. als Hilfskoch in einem Hotel in Jordanien. Dann kam der Krieg. Sein Vater, ein Autohändler, habe alles verloren. 2018 sei sein Bruder "im Rahmen des Widerstands" getötet worden. Er selbst verließ 2015 das Land, zuletzt arbeitete er bei einer Weidener Firma und schickte jeden übrigen Euro nach Hause.

Urteil am Dienstag

Der Angeklagte ist voll schuldfähig. Das Urteil wird voraussichtlich am Dienstag gesprochen, Beginn der Plädoyers um 9 Uhr.

Nach dem Tod einer Syrerin in Altenstadt ermittelt die Kripo. Viele Fragen sind offen, ein Tötungsdelikt ist möglich.

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