30.12.2020 - 16:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Jahresrückblick 2020: Und es war doch ein sportliches Jahr

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In Pandemie-Zeiten spielt das sportliche Geschehen nicht unbedingt immer die erste Geige. Dass 2020 in der Region dennoch Sport-Höhepunkte und -Kuriositäten zu verzeichnen waren, beweist der Blick in der Jahresrückblick der Sportredaktion.

Interimstrainer Michael Wiesinger (vorne) schaffte mit dem 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt in der 2. Liga - auf den letzten Drücker.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Last-Second-Rettung des Clubs

JULI | Was hat der 1. FC Nürnberg nicht schon für sportliche Dramen geschrieben? 1969 der Bundesliga-Abstieg – nach dem Meistertitel 1968, bis heute einmalig. Der auf ewig mit Radio-Legende Günther Koch verbundene Abstieg 1999 („Wir melden uns vom Abgrund“) wegen zu wenig erzielter Tore. In diese Liste muss nun auch der 11. Juli 2020 eingereiht werden: Fabian Schleusener avancierte mit seinem Treffer zum 1:3 in der 96. Minute des Relegationsrückspiels gegen den FC Ingolstadt zum Helden des Klassenerhalts in der 2. Liga. Das Hinspiel im Max-Morlock-Stadion hatte der Club mit 2:0 für sich entschieden. Der Last-Second-Ligaverbleib war die Krönung einer völlig verkorksten Spielzeit. Mit Damir Canadi, Jens Keller und Michael Wiesinger verschliss der FCN drei Trainer, der Fast-„Durchmarsch“ von der Bundesliga in die 3. Liga war auch das Resultat einer verfehlten Personalpolitik des Sportvorstands Robert Palikuca. Der ist – nach einem Rundumschlag im Sommer – ebenfalls schon wieder Geschichte am Valznerweiher. Dort schwingen nun Dieter Hecking als Palikuca-Nachfolger und Trainer-Novize Robert Klauß das Zepter. Also, alles wie immer, beim Club.

Josef Maier kommentierte den Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg

Nürnberg

Blue Devils ein Corona-Hotspot

Die Blue Devils Weiden wurden im Oktober zu einem Corona-Hotspot: Zahlreiche Spieler und Verantwortliche waren mit dem Virus infiziert.

OKTOBER | Das Coronavirus machte auch vor dem Sport nicht halt. Großveranstaltungen wie die Olympischen Sommerspiele oder die Fußball-Europameisterschaft wurden verschoben, doch auch die Region war betroffen. Besonders schlimm erwischte es die Blue Devils Weiden. Am 6. Oktober war Trainingsauftakt, wenige Tage später wurde der Eishockey-Oberligist von einer Welle an Corona-Infektionen überrollt. Am 12. Oktober gab der Verein den ersten positiven Fall bekannt, zwei Tage danach wurde das ganze Ausmaß deutlich: „Wir haben 15 bestätigte Fälle in der ersten Mannschaft sowie einige in der U17 und U20“, erklärte Franz Vodermeier, der Geschäftsführer der Blue-Devils-Spielbetriebs-GmbH. Die Folgen: Die Hans-Schröpf-Arena wurde geschlossen, der Trainingsbetrieb eingestellt, alle Aktiven, Trainer, Betreuer usw. gingen für 14 Tage in Quarantäne.

Die Blue Devils Weiden hatten im Oktober 15 Coronafälle alleine im Oberliga-Kader

Weiden in der Oberpfalz

Die Devils-Spieler Philip Lehr und Dennis Palka im Interview über ihre Corona-Infektion

Weiden in der Oberpfalz

Corinna Schwab sprintet zu den Titeln

Corinna Schwab aus Hiltersdorf war eine der besten deutschen Sprinterinnen in diesem Jahr.

AUGUST | 2020 war ihr Jahr: Corinna Schwab aus Hiltersdorf ist in der Corona-Saison in den Fokus der Leichtathletikszene gerückt. Seit sie in Chemnitz am Olympiastützpunkt zusammen mit Trainer Jörg Möckel akribisch an ihrer Form arbeitet, ist ein stetiger Aufwärtstrend zu erkennen. Von Anfang des Jahres sprintete Schwab über die Bahnen – zuerst in der Halle dann im Freien. Im Frühjahr holte sie den Deutschen Titel in der Halle über 400 Meter in 52,65 Sekunden. Am 8. August in Braunschweig bei der deutschen Meisterschaft dann der bisherige Gipfel der Karriere und der nächste Titel: 51,72 Sekunden über 400 Meter – schneller als Corinna Schwab, die für die LG Telis Finanz Regensburg startete, war bei deutschen Meisterschaften nur Grit Breuer, die seit dem Jahr 2001 (49,78 Sekunden) bis heute den Deutschen Meisterschaftsrekord über 400 Meter hält. Corinna Schwab (21) wird ab dem 1. Januar für den LAC Erdgas Chemnitz starten.

Corinna Schwab im Interview nach ihrem deutschen Meistertitel in Braunschweig

Amberg

Dennis Lippert „tot“, aber quicklebendig

Der verhängnisvolle Screenshot aus dem DFB-Datencenter, in dem der Weidener Fußballer Dennis Lippert für tot erklärt worden war.

Wir haben Dennis Lippert mit dem peinlichen Eintrag im DFB-Datencenter konfrontiert

Weiden in der Oberpfalz

FEBRUAR | Die Peinlichkeit des Jahres hat sich der Deutsche Fußball-Bund geleistet. Nein, nicht die Posse um eine Weiterbeschäftigung von Bundestrainer Joachim Löw, nicht die öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten an der Verbandsspitze, und auch nicht die verdaddelte Aufarbeitung noch immer ungeklärter Geldflüsse rund um das WM-Sommermärchen 2006. Viel schlimmer: Der DFB erklärte in seiner Online-Datenbank den Weidener Fußballprofi Dennis Lippert für tot. In dessen Spielerprofil ist zwar das Geburtsdatum (20.02.1996) richtig aufgeführt, aber gleich dahinter folgte bis zu unserer Berichterstattung Ende Februar in Klammern der makabere Vermerk: († 11.06.2019). Mit der Tatsache konfrontiert, verschlug es dem 24-Jährigen zwar zunächst die Sprache, doch nach einem kurzen Moment des Grübelns hatte Lippert eine Erklärung für sein „Ableben“ parat: „Ich weiß, dass ein Motorradsportler im letzten Jahr tödlich verunglückt ist. Der hatte den gleichen Namen und war so alt wie ich.“ Geschadet hat dieser Fauxpas Lippert zumindest sportlich nicht: Nach dem Ende seines Vertrags beim 1. FC Nürnberg II wechselte der Oberpfälzer zum Regionalligisten SpVgg Bayreuth und fasste dort nach schweren Verletzungen wieder Fuß. Der DFB ließ unsere Anfrage auf eine Stellungnahme übrigens unbeantwortet. Einfach nur peinlich ...

Rainer Steuerl: Der Poolbauer von Brünnthal

Rainer Steuerl schwamm im selbstgebauten Bassin zum Auftakt der Challenge Brünnthal.

JULI | Monatelang hatte Rainer Steuerl alles auf diesen 5. Juli ausgerichtet, das Training auf seinen ersten Langdistanz-Triathlon ausgelegt. Doch dann kam Corona, fast alle Sportveranstaltungen wurden abgesagt, auch die Challenge Roth. Für den 40-Jährigen aus Brünntal bei Kastl (Kreis Amberg-Sulzbach) stand trotzdem fest: „Ich mache meinen Wettkampf. Genau an diesem Tag. Statt der Challenge Roth dann eben die Challenge Brünnthal.“ Die 180 km Radfahren und 42 km Laufen waren auch in Corona-Zeiten kein Problem, allerdings hatten die Bäder geschlossen, und der nächste See ist zu weit entfernt. So baute sich Steuerl mit Hilfe von Freunden und Nachbarn kurzerhand ein Schwimmbecken. Neben dem Wohnhaus, direkt hinter dem alten Kuhstall, 25 Meter lang, knapp zwei Meter breit. Zwölf Strohballen bildeten die Beckenwände. Über das Ganze kamen 300 Quadratmeter Silofolie, 24 Gitterboxen mit Brennholz und 15 Paletten Dachziegeln stabilisierten die Konstruktion, die mit rund 55000 Litern Wasser gefüllt wurde. Bei seinem Ein-Mann-Wettkampf schwamm er 76 Bahnen hin, 76 Bahnen zurück und brauchte für die 3,8 Kilometer rund 75 Minuten. Nach dem Radfahren, dem abschließenden Marathon und insgesamt 11:15 Stunden hatte Rainer Steuerl seinen ersten Langdistanz-Triathlon geschafft. Einige Wochen später wurde das Becken wieder abgebaut. Und das soll es auch bleiben: Für das Jahr 2021 hofft der Sieger der Challenge Brünnthal auf geöffnete Bäder und einen Start bei der Challenge Roth.

Wir waren bei der Challenge Brünnthal mit vor Ort

Amberg

Johannes Donhausers erfolgreichstes Jahr

Johannes Donhauser aus Raigering gewann im Herbst den deutschen Meistertitel im Biathlon.

SEPTEMBER | Im Biathlon-Podcast „Extrarunde“ wurde er als einer beschrieben, der lange unter dem Radar flog. Seit dem Herbst dieses Jahres hat ihn Biathlon-Deutschland auf dem Schirm. Johannes Donhauser aus Raigering mischt in der nationalen Spitze mit. In Altenberg (Sachsen) holte er überraschend den deutschen Meistertitel im Einzelrennen vor internationalen Größen wie Arnd Peiffer oder Benedikt Doll. „Ich bin mit 2020 zufrieden“, blickt der 26-jährige Oberpfälzer bescheiden auf das Jahr zurück, sagt dann aber doch noch: „Die zweite Hälfte war natürlich sehr gut.“ Und somit erklärt der Spätstarter im Biathlon 2020 zum „erfolgreichsten Jahr“ seiner bisherigen Karriere. „Und dass ich in diesem Jahr die Chance auf Weltcup-Einsätze bekomme, hätte ich nicht für möglich gehalten.“ Im November war er mit Peiffer, Schempp, Doll und Co. im finnischen Muonio zehn Tage lang im Trainingslager. Für ein Weltcup-Ticket hat es noch nicht gereicht, aber die Chance besteht weiterhin. „Wenn man dabei war, will man natürlich mehr, ist doch klar“, sagt der Biathlet, der beim SC Monte Kaolino Hirschau erstmals richtig Langlaufen trainierte und in Karmensölden lange als Sportschütze erfolgreich war. 2021 hat Donhauser ganz fest im Visier.

Johannes Donhauser war im November mit dem Biathlon-Weltcup-Team in Finnland

Ursensollen

Der Finster Sepp und der FC Bayern: Was für ein Paar

Josef "Sepp" Finster beim Champions-League-Finale in Lissabon.

AUGUST | Der FC Bayern München und der Finster Sepp aus Vilseck gehören irgendwie zusammen: Ein Paar, das immer im Fokus steht. Die Bayern, weil sie nicht nur 2020 einen Titel nach dem anderen sammelten – und Josef „Sepp“ Finster, weil er immer dabei ist. Auch im Corona-Jahr. Wo ein Nicht-Fußball-Fan nur kopfschüttelnd sagt: „Wie kann man nur“ – da sagt der Sepp: „Ich kann.“ Wie beim Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern und Paris St. Germain in Lissabon, als im Stadion keine Zuschauer erlaubt waren. Finster, der (gefühlt) seit Beginn der Fußball-Bundesliga kein Spiel der Bayern verpasst hat, reiste glatt nach Portugal – um vor dem Stadion in einem Restaurant das Endspiel live im Fernseher zu erleben. Und fast immer, wenn der Fan der Roten mit Seppl-Hut (wie passend) und Lederhose einem TV-Reporter auffällt, muss er ein Interview geben – nicht selten, dem besseren Verständnis wegen, mit Untertiteln , wenn er in breitem oberpfälzisch von seinen Bayern schwärmt. Den Sky-Mann in Lissabon klärte er auf: „Dem habe ich gleich die Richtung angegeben, wie das Spiel läuft. Wie wir es gewinnen.“ Finster behielt Recht, und hatte 2020 trotz Zuschauerverbot im Stadion seine wahre Freude am FC Bayern.

Josef "Sepp" Finster im Interview nach seinem Lissabon-Trip

Amberg

Amateurfußballer im Ausnahmezustand

Die Fußballvereine mussten vor dem Re-Start im September ein Hygienekonzept ausarbeiten. Dazu gehörte auch die Registrierung alles Zuschauer.

MÄRZ | Es war Freitag, der 13., im März dieses Jahres als der Bayerische Fußball-Verband den Spiel- und auch den Trainingsbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie aussetzte. Vorläufig und zunächst lediglich für zwei Wochen – so lauteten damals die offizielle Weisung und auch die Hoffnung vieler Amateurfußballer, die aus heutiger Sicht wie aus einer anderen Welt anmuten. In den folgenden Wochen hielten Begriffe im Fußball Einzug, die bislang am wenigstens dort vermutet worden wären: Webinare, Online-Sitzungen oder Online-Abstimmungen, dazu jonglierten die Kicker in den Sozialen Medien plötzlich mit Klopapierrollen anstatt mit einem Ball. Am 20. April veröffentlichte der BFV das Ergebnis einer Umfrage unter allen bayerischen Vereinen, in der sich die Mehrheit für eine XXL-Saison 2019/21 mit Fortsetzung ab 1. September aussprach. War damit alles geklärt? Mitnichten. Zwischen dem Verband und der bayerischen Staatsregierung entspann sich ein Zwist um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, sogar eine Klage stand im Raum. Danach ging es schnell, ab 19. September rollte der Ball wieder. Jeder Verein musste ein eigenes Hygienekonzept erstellen, die Zahl der erlaubten Zuschauer blieb begrenzt. Doch es ging nicht lange gut: Zahlreiche Spielausfälle und Kicker in Quarantäne sorgten dafür, dass von Regelbetrieb so gar keine Rede sein konnte. Nach dem neuerlichen Sportverbot ab dem 1. November rief der BFV die vorgezogene Winterpause aus. Wie und wann geht es weiter? Wenn das jemand wüsste ...

Nach der Erlaubnis, den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu dürfen, haben wir Fußballer nach ihren Plänen befragt

Weiden in der Oberpfalz

Kurz nach dem ersten Lockdown im März votierten die Amateurfußballer in einer Onetz-Umfrage für einen Saisonabbruch

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