16.03.2021 - 16:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Dossier: Das Ende der Garnisonsstadt Amberg

Mit dem Umzug der Panzerbrigade 12 von der Leopoldkaserne nach Cham verschwindet im Frühjahr 2018 das Militär nach mehr als 300 Jahren aus dem Stadtbild Ambergs. Ein Dossier zum Abschied.

Blick zurück - im Frühjahr 2018 verlässt die Bundeswehr die Leopoldkaserne in Amberg. Damit endet die Ära einer Garnisonstadt.
von Redaktion ONETZProfil

Mehr als 300 Jahre beherbergte die Stadt Amberg Soldaten. Zuletzt waren es zwar im Vergleich zu den Hochzeiten des Militärs, die bis zum Ende der 1980er Jahre reichten, nur noch traurige Reste - doch mit dem Sitz der Panzerbrigade 12 blieb immerhin ein prestigeträchtiger Stab. Mit der Entscheidung des Verteidigungsministeriums, diesen nach Cham zu verlegen, endet die militärhistorische Ära in Amberg. Wenn auch die Garnison mit der Schweppermannkaserne bestehen bleibt.

Aus diesem Anlass haben wir 2018 einen Blick ins Archiv gewagt und uns entschlossen, alte Texte, Bilder und Zeitzeugenberichte erneut zu veröffentlichen. Darüber hinaus soll das vorliegende Dossier einen Ausblick bieten sowie von den letzten Tagen der Bundeswehrsoldaten in der Leopoldkaserne im März und April 2018 berichten.

Die Anfänge der Garnisonstadt Amberg

Von Andreas Ascherl, veröffentlicht am 29. Oktober 2011

Die Garnison Amberg beginnt offiziell mit dem Einmarsch von drei bayerischen Kompanien von Hahnbach her am 6. März 1715durchs Vilstor in die Stadt, aus der gleichzeitig die Truppen von Pfalz-Neuburg abzogen, wohin Amberg politisch vorübergehend gehört hatte. Wahrscheinlich war Amberg sogar noch früher Garnison, wie eine neuere Untersuchung von Helmut Scheuck herausgefunden hat.

Die Ersatz-Abteilung des 3. Feld-Artillerie-Regiments, mit 1385Mann und 810 Pferden unter Major Robert von Xylander in der neuen Leopoldkaserne stationiert, im Jahr 1914 vor dem Jugendstil-Komplex am heutigen Bergsteig.

Der erste Kasernenneubau in der Stadt jedenfalls war die Infanteriekaserne in der Herrnstraße, das spätere Vermessungsamt, das heute noch steht. Schon nach wenigen Jahren erreichte die Belegung der Kaserne eine Größenordnung von mehr als 1680 Mann immer wieder kam es in Folge im Bereich des damals noch existierenden Spitalgrabens zu Problemen mit der Hygiene und damit verbundenen Krankheiten. Schon 1808 entstand in den Gebäuden des ehemaligen Paulanerklosters (heute Amtsgericht) ein Lazarett, welches ständig vergrößert werden musste und bis 1920 Bestand hatte. Es fand ab 1936 im neuen Lazarett und dann ab1957 im Bundeswehrkrankenhaus seine Nachfolger.

Ein historischer Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Kaserne von St. Georg aus.

Doch Armee bedeutete nicht nur Kasernen: Es mussten Schießplätze und Exerzier-Gelände angelegt werden, ab 1800 begann die Amberger Gewehrfabrik mit der Produktion, zunächst im Gebäude Kaufhaus Forum und der Hammermühle Haselmühl (Möbelfabrik Kraus). Später dann auf dem großen Gelände vor dem Nabburger Tor (heute Deprag). Ab 1866 folgte dann der

nächste große Kasernenbau bei der Kastler Straße. Das Areal konnte 1868 bezogen werden. 1889 zog die letzte Einheit von der Herrnstraße um in die spätere Kaiser-Wilhelm-Kaserne.

Schönste Kaserne Bayerns

Schon wenige Jahre später, 1913, begannen östlich der Kümmersbrucker Straße auf einer Fläche von 23 Tagwerk die Bauarbeiten für eine neue Artilleriekaserne, am 28. September 1914 bezog die Ersatz-Abteilung des3. Feld-Artillerie-Regiments mit 1385 Mann und 810 Pferden unter Major Robert von Xylander die neue Leopoldkaserne, welche das Wehrkreiskommando VII im Jahr 1920 als “die schönste Kaserne von ganz Bayern” bezeichnete - ein wahrhaftes Juwel des Jugendstils. Die Kaserne erlebte in Folge ein den unruhigen geschichtlichen Zeiten angepasstes Wechselspiel. Mal waren es kleine Einheiten der Wehrmacht, die dort stationiert waren, mal war es die Polizei. Mit der Wiederaufrüstung Deutschlands in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts blühte die Leopoldkaserne und mit ihr der Militärstandort Amberg wieder auf. Die beiden Anlagen wurden erneut zu eng, 1935 begann der Bau einer neuen Kaserne bei St. Sebastian: die Möhlkaserne.

Sie diente nach dem 2. Weltkrieg den Amerikanern als militärische Heimstatt, bis 1956 dienten die beiden anderen Kasernen als Flüchtlingslager und später dem Bundesgrenzschutz. Nach Aufstellung der Bundeswehr aber wurde Amberg wieder herausragender Militärstandort. Schon 1960 musste in Gärmersdorf eine neue Kaserne gebaut werden, die Schweppermannkaserne.

Auf Wiedersehen, Amberg

Die Brigadekatze, die immer beobachtet hat, wer in die Leopoldkaserne kommt und wer geht, ist in Zukunft sehr einsam.

Von Stephanie Wilcke, veröffentlicht am 13. April 2018

Die Umzugskisten sind gepackt, Dutzende Büros stehen leer: In dieser Woche haben die letzten Bundeswehrsoldaten die altehrwürdige Leopoldkaserne in Richtung Cham verlassen. Einer von ihnen ist Stabszugführer Jakob Großehagenbrock. Er verlässt die liebgewonnene Kaserne mit gemischten Gefühlen.

Lesen Sie hier die komplette Reportage vom Auszug

Gänsehaut beim Großen Zapfenstreich

Von Uli Piehler, veröffentlicht am 6. März 2018

Das war das Ende der Garnisonsstadt Amberg: Mit einem Großen Zapfenstreich auf dem Marktplatz verabschiedete sich im März 2018 die Panzerbrigade 12 von ihrer angestammten Heimat. Gänsehaut begleitete das Zeremoniell.

Lesen Sie hier vom Gänsehaut-Moment am Amberger Marktplatz

Servus, Feldjäger!

Von Hans Bernreuther, veröffentlicht am 7. Juni 2018

Mit dem Großen Zapfenstreich hat sich die Panzerbrigade 12 kürzlich verabschiedet. Nun sagen auch die Feldjäger leise und nahezu unbemerkt servus. Von der Leopoldkaserne geht es kommende Woche ins mittelfränkische Roth.

Hier gehts zum Umzug der Feldjäger aus der Leopoldkaserne

Amberg

Was könnte mit der Leopoldkaserne geschehen?

Von Stephanie Wilcke, veröffentlicht am 13. April 2018

Im Oktober 2011 hatten es die Amberger schwarz auf weiß: Die Bundesregierung – bestehend aus den Unionsparteien und FDP - wollte die Bundeswehr reformieren. Zum Opfer fiel dabei Amberg mit der heimischen Panzerbrigade 12, die in der Leopoldkaserne untergebracht war. Details der Reform besagten, dass Stab und Stabskompanie der Brigade von der Vilsstadt nach Cham ziehen.

Das Feldjägerdienstkommando wird ebenfalls aufgelöst. Das Dienstleistungszentrum bleibt erhalten, hinzu kommt eine Regionale Sanitätsversorgung. Statt der 460 sind es nach den Reformplänen nur noch 90 Dienstposten. Die Leopoldkaserne bleibt leer zurück. In einer ersten Stellungnahme bedauerten damals Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer und Bundestagsabgeordneter Alois Karl (beide CSU) das Ende der mehr als 300-jährigen Tradition Ambergs als Garnisonsstadt. Sie zeigten sich aber auch erleichtert: „Ich bin froh, dass der Standort nicht komplett geschlossen wird“, sagte das Stadtoberhaupt.

"Stadt soll Leopoldkaserne kaufen"

Eigentümer der Kaserne ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Schon früh nach Bekanntwerden der Hiobsbotschaft für Amberg wurden Gedanken laut, die Stadt solle bei dem Areal zugreifen. Zuletzt war es wieder die CSU, die im Dezember 2017 den Vorschlag machte: “Die Stadt soll das Areal ankaufen, wenn der Preis stimmt”, gibt CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann die Marschrichtung vor. Bei aller Last biete eine Nachfolgenutzung durch die Stadt auch eine riesige Chance für die Kommune. “Neue Wohnungen könnten ebenso entstehen, wie eine Erweiterung des Gewerbegebietes”, erklärt Mußemann.

Für den CSU-Politiker gebe es in Sachen Leopoldkaserne keine “Denkverbote”. Eine Option sei eventuell auch eine Jugendherberge. “Ein Begegnungsort für vorwiegend junge Menschen - auch aus unseren Partnerstädten - wäre sicher eine sinnige Neuinterpretation für das Kasernengelände.” Kritik ist bei der CSU auch zu vernehmen – und die geht in Richtung Berlin: Daniel Müller, Stadtrat und Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik, schimpft, weil der Bund als Eigentümer der Kaserne seiner Verantwortung gegenüber Amberg nicht gerecht werde. Mußemann pflichtete ihm bei: “Das ist eine bittere Pille für die Stadt.”

Stichwort Wohnen: Bislang werden die ehemaligen Offiziersstuben der Leopoldkaserne an der Gerresheimer Straße saniert, um sie für Flüchtlinge wieder bewohnbar zu machen. Die Kosten belaufen sich hierfür auf rund 4,9 Millionen Euro – fast 90 Prozent übernimmt der Freistaat Bayern im Zuge seines Städtebauförderungsprogramms II. Die Stadtbau GmbH ist die Eigentümerin der Gebäude und gleichzeitig Bauherrin.

“Es wird Sie nicht trösten. Die Reform wird durchgezogen”, sagte Verteidigungsministerin Von der Leyen bei ihrem Besuch im Juli 2017 in Amberg.

Verteidigungsministerin Von der Leyen und die kalte Dusche

Noch einmal etwas Hoffnung kam im Juli 2017 auf. In jenem Sommer besuchte die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Vilsstadt. Viele erhofften sich, dass sie ein Geschenk – in Form einer Nachnutzung für die Leopoldkaserne – mit im Gepäck hätte. Doch es folgte die kalte Dusche. Ihre Antwort fiel kurz und nüchtern aus: “Ich kann verstehen, wie schwer und bitter das für Amberg gewesen ist”, sagte Von der Leyen. Für viele Regionen Deutschlands habe es ähnliche Entscheidungen gegeben. Aber: “Es wird Sie nicht trösten. Die Reform wird durchgezogen. Das ist nicht schön für Ihre Region.” Jetzt gelte es, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen.

Man wird sehen müssen, wie es mit der in Teilen denkmalgeschützten Leopoldkaserne weitergeht. Dass sich aus ehemals militärischen Anlagen eine zivile Nutzung finden lassen kann, beweisen die Kaiser-Wilhelm-Kaserne (heute Ostbayerische Technische Hochschule) und die US-amerikanische Möhlkaserne (heute Wohngebiet).

Bima und Zoll: So schätzt ein Experte das Entwicklungspotenzial der Leopoldkaserne ein

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Anfang 2021 steht die Leopoldkaserne immer noch leer

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Gedankenspiele aus der Redaktion: Das könnte aus der Kaserne mal werden

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Das Ende der Möhl- und Kaiser-Wilhelm-Kaserne

Von Heike Unger und Stephanie Wilcke, veröffentlicht am 13. April 2018

1992 gibt es noch drei Kasernen auf Amberger Stadtgebiet, die jüngste davon ist die Möhlkaserne nahe der Kirche St. Sebastian. Am 21. Oktober 1935 war diese Militärstätte feierlich an den Kommandeur des Infanterieregiments 41, Oberstleutnant Friedrich Gollwitzer, übergeben worden.

Der Bau der Kaserne hatte 1934 begonnen. Das Gesamtprojekt, das damals fünf Millionen Reichsmark kostete, schloss den Ausbau der Sebastianstraße, die Anlage des Schießplatzes Gailoh und des Übungsplatzes Fuchsstein ein, wo mit 250 Hektar Grund das Dorf Rammertshof abgelöst wurde.

Eingeweiht wurde die Kaserne am 20. Oktober 1935. Von der Kaiser-Wilhelm-Kaserne aus marschierte das damals neu gebildete Infanterie Regiment 41 mit seinen beiden Bataillonen auf die Sebastianshöhe. Die Kaserne erhielt den Namen des Generals Arnold Ritter von Möhl, der vom 1. August 1914 bis 8. April 1915 das 6. Königlich Bayerische Infanterieregiment „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ an der Westfront befehligt hatte.

Eine alte Aufnahme aus dem Bestand der Militärhistorischen Sammlung Amberg zeigt das Areal der Möhlkaserne (später Pond Barracks) als es noch militärisch genutzt wurde.

1945 rückten Verbände der Amerikaner ein, 1947 wurden hier „Displaced Persons“ aus den Ostländern untergebracht. Erst 1950 übernahm die Army wieder das Kommando über die Kaserne, die dann den Namen des Kommandeurs des 1. IR der 90. US-Infanteriedivision bekam: Lt. Colonel Leroy Richard Pond, der am 13. Dezember 1944 während eines Gefechts bei Dillingen verwundet worden war, und am 15. Januar 1945 in einem englischen Lazarett starb.

Ab 1950 war in den Pond Barracks die 3. Schwadron des 2. US Armored Cavalry-Regiments stationiert. Das Regiment mit einer Stärke von zuletzt 4200 Mann ist das älteste der Armee der Vereinigten Staaten und steht seit seiner Gründung 1836 ununterbrochen im Dienst.

Über 40 Jahre war diese US-Einheit in Amberg stationiert. Nach Monaten der Spekulation stand im Februar 1992 fest: Die Schwadron wird komplett abgezogen und in die USA zurückverlegt. Betroffen waren rund 1000 Soldaten und 1500 Zivilangehörige. Die Möhlkaserne war mit 24 Hektar Fläche rund zweieinhalb Mal so groß wie die Kasier-Wilhelm-Kaserne.

1994 kaufte die Stadt das Gelände, das dann unter Regie der Stadtbau-Gesellschaft ein völlig neues Gesicht erhielt. Alte Kompaniegebäude boten neuen Raum für sozialen Wohnungsbau und ein Stadtteilzentrum. Erhalten blieb das Blockheizkraftwerk. Neu hinzu kamen Institutionen wie die schulvorbereitende Einrichtung, ein Kindergarten, ein Komplex mit Nahversorgung sowie neue Wohnformen wie Öko-, Niedrig- und die architektonische Sonderform der Würfelhäuser. Insgesamt entstanden hier 320 Wohneinheiten, in denen 1000 Bewohner neu angesiedelt wurden. 30 Prozent der Fläche blieben in öffentlicher Hand.

Seit Oktober 1995 wird in den Gebäuden der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kaserne fleißig gelehrt und gelernt. Als Nachfolgenutzung für das Militärareal ist die Ostbayerische Technische Hochschule gefunden worden.

Was aus der Kaiser-Wilhelm-Kaserne wurde

Mehr als 100 Jahre ist die unter Ensembleschutz stehende Kaiser-Wilhelm-Kaserne (KWK) von Soldaten genutzt worden. 1858 wurde das III. / 6. Infanterie Regiment nach Amberg verlegt und in der Steinhofkaserne – heute das Baureferat in der Steinhofgasse – einquartiert.

1864 wurde der Bau der Kaserne an der Stelle der heutigen Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) endgültig bewilligt, im April 1866 begannen schließlich die Bauarbeiten dafür.

1889 zog das I./Inf. Rgt. 6 in die Kaserne. Ab 1945 diente die Kaiser-Wilhelm-Kaserne zunächst als Truppen-Unterkunft für amerikanische Soldaten – bis 1947 wurde die KWK als Fort Hess bezeichnet. In der Zeit danach war sie eine Unterkunft für heimatlose Polen und Ukrainer.

1951 benutzte der Bundesgrenzschutz die Räume der Kaserne – erst mit der Einführung der Wehrpflicht fünf Jahre später kamen wieder Soldaten in die Kaserne. 1959 erfolgte die Aufstellung der Panzerbrigade 12.

Historische Bilder: Als in der KWK noch Soldaten waren

Zwischenzeitlich erklärte im Frühjahr 1990 der damalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU), dass wegen steigender Studentenzahlen an Fachhochschulen zwei bis drei weitere Einrichtungen im Freistaat gegründet werden sollen. Der künftige Oberbürgermeister Ambergs, Wolfgang Dandorfer (CSU), brachte da bereits Amberg ins Spiel. Ins Auge gefasst hatte er das sogenannte Baumann-Gelände. Ein Jahr später, 1991, erfolgte schließlich die Entscheidung, zusammen mit Weiden einen Doppelstandort für die neu entstehende Fachhochschule einzugehen.

Die Zusage für eine Fachhochschule war da – doch wohin damit? Der Bundeswehr passte die Kaiser-Wilhelm-Kaserne derweil nicht mehr ins Konzept: unter anderem wegen der Lage und des Alters (Denkmalschutz). Eine neue Heimat für die Soldaten musste her.

OB Dandorfer favorisierte als Fachhochschul-Areal die Kaserne, weil das Kultusministerium bereits 1994/95 den Lehrbetrieb aufnehmen wollte. Das Baumann-Gelände präsentierte sich als unpraktikabel, weil in der Kürze der Zeit dort kein Neubau möglich gewesen wäre. „Es ist einfacher, in ein bestehendes Gebäude zu gehen“, erklärte das Stadtoberhaupt. Die endgültige Entscheidung fiel im Oktober 1992: Die Fachhochschule kommt in die KWK.

Bis zum 14. Oktober 1994 diente die Kaiser-Wilhelm-Kaserne als Heimat der Panzerbrigade. Im Dezember erwarb der Freistaat Bayern das Gelände der Kaiser-Wilhelm-Kaserne mit dem Zweck, darin eine Fachhochschule zu installieren.

Anfang Oktober 1995 war es dann soweit: Kultusminister Zehetmair kam in die Sporthalle des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Geländes, um die Fachhochschule feierlich zu eröffnen. Aus dem Militär-Areal war eine wissenschaftliche Bildungseinrichtung geworden, die bis heute Bestand hat. Seit 2013 nennt sich die Fachhochschule Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden.

Das bleibt in Erinnerung

Von Heike Unger, Stephanie Wilcke, Thomas Amann und Uli Piehler

Explosion einer Splitterhandgranate

Schock im September 1998 in einem Schulungsraum der Leopoldkaserne in Amberg: Bei einer Unterrichtseinheit explodiert plötzlich eine Splitterhandgranate. Fünf Soldaten verletzten sich dabei schwer, einer lebensgefährlich, der später seinen Verletzungen erlag, 16 weitere erlitten leichtere Blessuren. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums stand für die Soldaten der Stabskompanie der Panzerbrigade 12 und der Panzerpionierkompanie 120 am Morgen Handgranatenausbildung auf dem Dienstplan. Gegen 8.50 Uhr ereignete sich dann in dem Unterrichtsraum beim Hantieren mit dem Sprengkörper die Explosion.

Harte Wochen im Kosovo

Keine Dusche, kein Bett, keine Freizeit und keine Verbindung in die Heimat: Harte Wochen erleben die Soldaten der Panzerbrigade 12 im Jahr 1999 im Kosovo. Sie sind damals die erste Truppe der Bundeswehr, die die Grenze zum Kosovoüberschreitet.

General Fritz von Korff, der das Kommando hat, zeichnet im Dezember1999 bei einem Vortrag in Amberg dieses Bild vom Einsatz: „Wir lebten zwischen dem Jubel bei unserem Empfang und den Massengräbern, die man nicht nur sieht, sondern auch riecht.“

Gut ein Vierteljahr nachdem die Brigade zurück in der Leopoldkaserne ist, lässt der Chef der 7834 KFOR-Soldaten die fünf Monate in Mazedonien und im Kosovo Revue passieren. Zu den wichtigsten Aufgaben zählten die Arbeiten im mazedonischen Flüchtlingslager Cegrane, das das Kontingent mit aufgebaut und betreut hat. Von Korff verdeutlicht: Hier mussten bis zu 47 000 Menschen versorgt werden – in einem Ort, der selbst nur 15 000 Einwohner hat.

„Die Hilfsorganisationen waren dem Ansturm nicht gewachsen“, berichtet der Kommandeur: Vom zwei Tage alten Baby bis zum Greis mussten fast täglich 7000 neue Flüchtlinge versorgt werden. Pro Tag verteilten die Soldaten 46 000 Liter Wasser und bis zu 35 Tonnen Nahrungsmittel.

Wie belastend dieser Einsatz war, verschweigt der Brigadegeneral nicht. Die Soldaten mussten die Fäkalien von 47 000Flüchtlingen entsorgen und auch die Beisetzung der Toten organisieren.

Doch die Truppe erlebte auch Positives, vor allem die Freude, die sie mit den Kindern teilen durfte: „Wir haben mit einfachen Mitteln Spielplätze gebaut. Man sollte nicht glauben, wie schnell Kinder in einer fremden Umgebung wieder Spaß am Spielen bekommen.“

Feldküche à la Olympia

Der edle Fisch kommt aufs Büfett: René Rohne – im Wettkampf-Outfit der deutschen Koch-Nationalmannschaft – 2009 bei der Vorbereitung eines Abendessens für eine geladene Gesellschaft im Offizierscasino der Leopoldkaserne.

René Rohne (28) kocht für Soldaten und Deutschland. Zum Beispiel Schweinenackensteak für 250 Soldaten auf dem Truppenübungsplatz. Aber auch „Guglhupf von zweierlei Forellen“ bei der Olympiade der Köche in Erfurt Ende Oktober 2008 mit1600 Teilnehmern. Davor war er mit der Amberger Brigade im Afghanistan-Einsatz.

Wenn Rohne nicht gerade in der Feldküche arbeitet oder nebenbei in der deutschen Koch-Nationalmannschaft um Medaillen kämpft, ist er Küchenchef im Offiziersheim der Leopoldkaserne. Was viele seiner Gästedort nicht wissen: Rohne ist Olympia-Dritter und damit stolzer Trägereiner Bronzemedaille. Die haben der Amberger Bundeswehr-Koch und seine fünf Kameraden, die 2008 die militärische Koch-Nationalmannschaft Deutschlands bilden, gleich beim ersten Versuch geholt. „Gold“ gab’s für das Team in der Kategorie „warme Küche“: Kalbsmedaillon mit Walnusskruste und Entenroulade mit schwarzem Sesam auf Madeirasoße. Die Schauteller der deutschen Mannschaft wurden mit „Silber“ belohnt, so dass unterm Strich („wegen der Punktzahl“) die Bronzemedaille herauskam.

Amberger Feldjäger stirbt

Bei einem Verkehrsunfall im Kosovo kommen im Oktober 2003 zwei deutsche Soldaten der internationalen Friedenstruppe KFOR ums Leben. Bei den Opfern handelt es sich um einen Oberfeldwebel (26) aus Oberviechtach, der in Roding stationiert war, und um einen Stabsunteroffizier (21) aus Bayreuth, der in der Feldjägerkompanie in Amberg diente. Die genauen Umstände des tragischen Unfalls sind noch nicht geklärt. Die beiden Soldaten waren mit militärischem Auftrag auf Streifenfahrt.

Unklar ist, warum die beiden mit ihrem Geländefahrzeug “Wolf” in einer gebirgigen Gegend südöstlich von Sueva-Reka von der Fahrbahn abgekommen und in eine Schlucht gestürzt sind. Bei einem Ehren-Appell im Einsatzland nehmen die Soldaten der eigenen Einheit und Abordnungen der internationalen Friedenstruppe Abschied von ihren Kameraden.

Von Guttenberg besucht die Brigade

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg geht beim Besuch der Panzerbrigade 12 auf Augenhöhe mit den Soldaten.

Der Puma-Hubschrauber der Flugbereitschaft der Luftwaffe wirbelt viel Staub auf: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg landet Mitte Juli 2010 auf dem großen Appellplatz der Leopoldkaserne. Der Minister kommt auf seiner Sommerreise auch zur Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“.

Zur angekündigten Strukturreform der Bundeswehr redet er Klartext. Der Bürgermeisterriege aus Amberg, Cham, Pfreimd, Oberviechtach, Freyung, Bogen, Regen und Roding machte er keinerlei Hoffnungen, dass bei anstehenden Standortfragen regionalpolitische Überlegungen gegenüber sicherheits- und verteidigungspolitischen Notwendigkeiten den Ausschlag geben.

In der Brigade leisten zu diesem Zeitpunkt rund 6400 Soldaten und zivile Mitarbeiter Dienst. 500 Soldaten sind auf dem Balkan,270 in Afghanistan eingesetzt. Seit dem ersten Auslandseinsatz 1999 ist dies der fünfte KFOR- und der zweite ISAF-Einsatz.

Das Bundeswehrkrankenhaus und seine Geschichte

In der OP-Schleuse im Jahr 1989.

Von Andreas Ascherl, veröffentlicht am 13. April 2018

Niemand in der Stadt rechnete mit dieser Entwicklung, als die Amberger Zeitung völlig überraschend an vertrauliche Informationen aus dem Verteidigungsministerium kam. Und in denen stand eindeutig zu lesen: Das BWK Amberg mit seinen 156 Betten und rund 500 zivilen und militärischen Beschäftigten wird aufgegeben.

Rückblick: Im Jahr 1936 entstand im Süden der Stadt das Lazarett der Wehrmacht, nachdem ein Jahr zuvor die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt worden war. Bereits 1935 war im Sebastiansviertel mit dem Neubau der Ritter-von-Möhl-Kaserne begonnen worden, so dass die Garnison zu diesem Zeitpunkt drei Kasernen im Stadtgebiet umfasste. Bis 1945 wurden hier Verwundete und Verletzte behandelt, die der Zweite Weltkrieg in großer Zahl „produzierte.“ Danach war erst einmal Schluss mit der militärischen Nutzung des Areals.

Das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus an der Köferinger Straße kurz nach der Schließung.

Nach der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland wurde am 1. Dezember 1958 an gleicher Stelle das Bundeswehrlazarett Amberg mit damals 400 Betten eröffnet. Die ersten umfangreichen Umbauarbeiten dauerten bis zum April 1961 an. Ab 1996 erfolgte die Generalsanierung und Umstrukturierung, die 2004 noch nicht beendet war, als das Aus für das BWK kam. Ob die Bundesrepublik Deutschland als Eigentümer nun 45, 50 oder gar 55 Millionen in das BWK steckte, um es anschließend zu schließen, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Obwohl der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) da noch verkündete, das Ende des Bundeswehrkrankenhauses sei keinesfalls schon beschlossene Sache, gab er genau das aber nur wenige Monate später bekannt. Zuvor war das BWK noch zum Zankapfel zwischen Lokal- und Bundespolitikern geworden, die sich gegenseitig vorwarfen, nicht ausreichend für den Erhalt zu kämpfen. Genützt hat das alles letztendlich nicht – Peter Struck setzte die Entscheidung konsequent um, die bereits Monate vorher intern gefallen war. „Die Hoffnung ist nun klinisch tot“, titelte die AZ im November 2004.

Es folgte der Versuch, die Immobilie an der Köferinger Straße in eine zivile Nutzung zu überführen. Noch am Tag der Schließungsentscheidung winkten die Hamburger Marseille-Kliniken ab, die vorher heftigstes Interesse bekundet hatten. Eine Äußerung des damaligen OB Wolfgang Dandorfer bezüglich der fehlenden Qualifikation eine Akutklinik zu führen, sei die Ursache, so gab ein Unternehmenssprecher zu verstehen.

Es folgte das Kapitel „Konzeptwettbewerb“. Die Stadt wollte kaufen, um eventuell Teile des Klinikums hier auszugliedern, der Bund als Eigner an den Meistbietenden vergeben. „Ganz Europa darf sich bewerben“, schrieb die Amberger Zeitung. Und am Ende blieb doch nur die Stadt als Interessent übrig – vermeintlich.

Denn überraschenderweise verkaufte die Bundesrepublik das Gelände für 4,6 Millionen Euro nach einem längeren Hin und Her an die Golden Gate GmbH, die sich dann so nach und nach an den Umbau des BWK machte. Ende 2014 ging der Golden Gate aber das Geld aus, die Gesellschaft in den Konkurs.

So geht es weiter mit dem ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus

Amberg

 

 

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