11.09.2019 - 09:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Jürgen Arzberger: Liebling, "Verräter" und wieder Liebling

Wenn die ERSC-Fans "Atze, die Rolle!" forderten, machte Jürgen Arzberger einen Purzelbaum - in Torhüter-Montur. In der Saison 1990/91 wurde der in Kanada geborene Goalie zum Publikums-Liebling. Nur vier Monate später fiel er in Ungnade.

Ein Sunnyboy mit langen Haaren und weißer Torhüter-Ausrüstung: So sah Jürgen Arzberger aus, als er 1990 zum ERSC Amberg kam.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Lange Haare, Dauergrinsen und eine weiße Torhüter-Vollvisiermaske mit roten Flammen darauf - schon allein optisch setzte Jürgen Arzberger beim ERSC Amberg Maßstäbe. Als die Mannschaft 1990 in der Regionalliga nach einem schwachen Saisonstart noch die Kurve bekam und mit Neuzugang "Atze" zwischen den Pfosten noch die Aufstiegsrunde erreichte, war klar: Amberg und Arzberger - das passt.

"Ich wollte ja schon im Jahr zuvor zum ERSC", erzählt der heute 53-Jährige, der mit seiner Frau Jana in Altenstadt bei Weiden wohnt. Nachdem Arzberger Kanada und seine Heimatstadt Toronto verlassen hatte, um bei seinem Vater in Bayreuth zu leben, schloss er sich zunächst dem Nachwuchs der Oberfranken an und war sogar Teil der Mannschaft, die 1985 in die 1. Bundesliga aufstieg. "Nach nur einem Jahr ging's aber wieder runter", erzählt Arzberger, der noch drei Jahre in Bayreuth blieb, um sich danach einer neuen Herausforderung zu widmen. "Ich wollte unbedingt in der Region bleiben", sagt Arzberger, der damals nach Pegnitz ging, aber längst ein Auge auf den ERSC geworden hatte: "Ich kannte Mike Morin und Jack Bowkus und wäre gerne nach Amberg gekommen."

Vorher in Nordhorn

Die Verantwortlichen wussten aber, was sie an Stammtorhüter Hermann Eckl hatten und sahen keinen Bedarf, einen weiteren Torwart unter Vertrag zu nehmen. Arzberger schaltete einen Spielervermittler ein und erhielt drei Angeboten aus der Oberliga Nord: Timmendorfer Strand, Bremerhaven und Nordhorn. Atze musste nicht lange überlegen: "Mike Daski, den ich schon aus meiner Bayreuther Zeit kannte, war Trainer in Nordhorn. Also bin ich dort hin." Am Anfang hat alles super funktioniert, doch dann wurden die Probleme des Clubs immer größer: "Der Geschäftsführer hat Sponsorengelder in sein eigenes Unternehmen gesteckt. Irgendwann waren wir dann zahlungsunfähig."

Arzberger war quasi über Nacht vereinslos und stand auf der Straße. Aber nicht lange: Mike Morin und Jack Bowkus erfuhren von den Vorgängen in Nordhorn und legten der ERSC-Abteilungsleitung um Herbert Fuchs und Günther Rothenberger eine Verpflichtung des Deutschkanadiers nahe. Da der ERSC zu diesem Zeitpunkt nur Vorletzter war, sahen die Club-Bosse tatsächlich Handlungsbedarf und holten Arzberger: "Ich habe aber auch gesagt, dass ich einen Job und eine Wohnung brauche, weil ich nie Vollprofi sein wollte. Der Job hatte für mich immer auch Priorität." Sportlich lief es für Arzberger, einen gelernten Druckvorlagen-Hersteller, beim ERSC super, die Fans feierten ihn und das Team erreichte sogar noch die Aufstiegsrunde. Doch Job und Wohnung blieben ein Wunsch: "Ich habe bei Herbert Fuchs im Keller gewohnt." Und eine Arbeitsstelle war auch nicht in Sicht. Jetzt kann es Atze ja erzählen: "Ich habe gesagt, dass sie drei Monate Zeit gehabt haben, sich zu kümmern. Aber es ist nichts passiert. Sie haben mich im Regen stehen lassen."

Also wurde Arzberger selbst aktiv: Er nahm ein Angebot des 1. EV Weiden an und verließ den ERSC nach nur drei Monaten: "Ich bin damals als Verräter beschimpft worden. Aber ich habe eine Wohnung und einen Job bei Conrad Electronic bekommen. Ich habe das für mich als berufliche Perspektive gesehen. Deswegen bin ich gewechselt, nicht wegen des Geldes. Aber das hat in Amberg keiner verstanden." Doch man sieht sich im Leben bekanntlich immer zweimal: Arzberger, der in Weiden unter Trainer Richard Pergl mit EVW-Legenden wie Pavel Richter und Joe Hayse in einer Mannschaft spielte, bekam nach nur einer Saison einen neuen Trainer: George Quinn, der bis 1986 gefeierter Star des ERSC Amberg war: "George wollte, dass wir zweimal am Tag trainieren. Das war aber mit dem Job nicht vereinbar."

Zurück zum ERSC

Jürgen Arzberger heute: Der 53-Jährige lebt in Altenstadt bei Weiden.

Also ging es für Atze wieder zurück zum ERSC, dem er bis 1998 treu blieb und mit dem er 1997 in die zweithöchste Liga aufstieg. Das Wort "Verräter" war schnell vergessen, der Aufruf "Atze, die Rolle!" dagegen nicht.

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