29.12.2020 - 13:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Jahresrückblick: Wie die Redaktion der Amberger Zeitung das Coronajahr erlebte

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Das Jahr 2020 war auch für die Redaktion der Amberger Zeitung eine Herausforderung. Abstand halten, aber trotzdem nah dran sein. Wie geht das? Ein Rückblick auf ein paar besondere Themen, die die Reporter im vergangenen Jahr beschäftigten.

Mit Maske und Abstand im Einsatz: Reporterin Heike Unger bei einem Außentermin. Hier ging es um die Einrichtung des Impfzentrums in Sulzbach-Rosenberg.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Der Tag, an dem Corona kam

Es war ein Donnerstag, der 5. März. An diesem Tag ist das Coronavirus offiziell auch im Landkreis Amberg-Sulzbach angekommen. Am Vormittag machte das Gerücht die Runde, dass in Kümmersbruck eine Arztpraxis geschlossen sei. An der Eingangstür hänge ein Zettel, auf dem stehe: „Aufgrund einer noch nicht bestätigten Coronaviruserkrankung“. Reporterin Andrea Mußemann telefonierte stundenlang, um die Nachricht zu überprüfen und herauszufinden, was das nun bedeutet. Schließlich bestätigte das Gesundheitsamt den Fall.

Am nächsten Tag hatte sie dann tatsächlich den Vater der betroffenen Familie am Telefon. Er erzählte, wo sich seine Frau vermutlich angesteckt hatte: Beim Skifahren in Südtirol. Und er berichtete auch von einem bis dahin nicht gekannten Vorgehen des medizinischen Personals. Es war mit Schutzanzügen ins Haus gekommen, um die Frau ins Klinikum zu transportieren. Kopfschütteln über diese unwirklich erscheinende Situation und die Vermutung, dass es schon nicht so schlimm kommen wird, wie zum Beispiel in der Lombardei. „Das Virus ist gekommen und wird auch wieder gehen“, kommentierte Redaktionsleiter Uli Piehler an diesem Tag. Wie die meisten dachte er damals noch, dass der Spuk in einigen Wochen beendet sein würde. Doch das Jahr 2020 hatte anderes vor. (Andrea Mußemann)

Der erste Corona-Fall in Amberg

Amberg

Redaktion bringt Ostern ins Internet

Die erste Welle der Coronakrise hat Anfang des Jahres viele Pfarreien kalt erwischt: Die Kirchen mussten geschlossen bleiben, Gottesdienste durften nur der Pfarrer und wenige Helfer feiern. Besucher mussten draußen bleiben. Die Redaktion half dabei, dass die Gläubigen trotzdem dabei sein konnten – per Video und Live-Stream, zum Beispiel von der Osternacht in St. Georg Amberg oder der Auferstehungsfeier im Martin-Schalling-Haus in Kümmersbruck.

Ist das W-Lan stabil? Reicht das Verlängerungskabel? Laptops, Handys, Mikrofone, Powerbank: Technisch war das eine Herausforderung, die aber viele dankbare Zuschauer fand: Facebook-Likes und viele begeisterte Kommentare mitten im Gottesdienst – das war nicht nur für die Geistlichen, sondern auch für die Redaktion eine außergewöhnliche Erfahrung. (Heike Unger)

Bericht und Video

Amberg

AZ-Aktion: Das Bergfest darf nicht ausfallen

Amberg ohne Mariahilfbergfest? Unvorstellbar nicht nur für viele Amberger, sondern auch für die Redaktion. In der Reporterkonferenz entstand die Idee, das Gefühl von Weihrauchduft und Bratwurstrauch wenigstens über die Zeitung zu transportieren: Jeden Tag der Bergfestwoche ein ganzseitiges Interview mit jemanden, der aufs engste mit der Wallfahrtswoche verbunden ist – egal ob am Altar, am Bier-Ausschank oder Bratwurststand. Dabei beleuchtet die Redaktion auch ein Skandälchen: Erstmals sollte die Festwoche ohne Wingershofer-Zelt auskommen.

Festwirt Volker Seidl redete sich beim Interview seinen Frust von der Seele. Aber nicht nur er kam zu Wort, auch Pater Seraphin, Kirchenpfleger Franz Mertel, Bedienung Claudia Mai, Festwirt Gerhard Spangler und Mesner Matthias Schatz.

Die Interview-Situation war immer die gleiche: Die Redaktion stellte Tisch und Stühle mitten auf den Festplatz. Ein Bild, das in Zeiten der Kontakt- und Feierbeschränkungen gleich am ersten Tag die Polizei auf den Plan rief, auch wenn die Infektionsschutz-Vorschriften zu diesem Zeitpunkt relativ locker waren. Die freundlichen Beamten vergewisserten sich, dass es sich hier um journalistisches Handwerk handelte und nicht um die Vorbereitung eines Sauf-Gelages. (Uli Piehler)

Alle Interviews

Amberg

Dauerthema Leopoldkaserne

Die Frage nach der Zukunft der denkmalgeschützten Leopoldkaserne, die bis vor wenigen Jahren noch von der Bundeswehr genutzt wurde, stellt sich erneut im Juli 2020. Ein Fall für die Reporter Stephanie Wilcke und Andreas Ascherl. Die Amberger Zeitung thematisiert den Leerstand, befragt einen Immobilienexperten, welche Möglichkeiten sich zur Entwicklung eines Quartiers ergeben und überlegt sich am Ende sogar selbst, welche Nachnutzung sich für das Areal finden lassen könnte.

Und noch immer wartet die Amberger Stadtverwaltung, dass sich jemand vom Zoll, der hier vielleicht ein Ausbildungszentrum etablieren möchte, beziehungsweise der Eigentümerin Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) meldet, um Pläne vorzustellen. Immobilienexperte Philipp Feldmann, ausgewiesener Fachmann für militärische Brachflächen, hält das in einem Interview mit unserer Zeitung für naiv. „Auf den weißen Ritter von Überregional zu hoffen, da kann man warten, bis man schwarz wird. Es kann, aber muss nicht passieren.“

Vielmehr brauche es Impulse von der Stadt selbst, dort sichtbar und tätig zu werden. „Will die Stadt Amberg ihre Kaserne wirklich entwickeln, muss sie alles zur Disposition stellen. Die Lage des Rathauses, der Verwaltung, des Arbeitsamts. Wenn eine Stadt schon sagt, dass sie nicht hinaus will, wer soll es dann machen?“ Noch immer hat die Stadt das Vorkaufsrecht für das Areal. (Stephanie Wilcke)

Themen Dossier

Amberg

Überstunden für Reporter: Feueralarm in der Nacht

Feierabend am Montag, 25. Mai. Die Redaktion hat die Arbeit für die tagesaktuelle Dienstagsausgabe längst beendet, als bei Reporter Christopher Dotzler das Bereitschaftshandy klingelt. „Gebäudebrand am Marktplatz in Hohenburg“, lautet die Nachricht und damit die Gewissheit, dass für mehr als 100 Helfer von Feuerwehren, Rettungsdienst und Polizei eine lange Nacht ansteht. Auch für den Reporter.

Dotzler fährt zum Brandort, beobachtet den Einsatz mit dem gebotenen Abstand, fotografiert, spricht mit dem Einsatzleiter der Löschmannschaften und mit Anwohnern. Gegen 2 Uhr kehrt er nach Hause zurück, setzt sich an den Computer. Während die allermeisten schlafen, entsteht die Reportage für das Onetz. Und während die Helfer in Hohenburg mit den Aufräumarbeiten beginnen, überlegt sich die Redaktion, wie die Geschichte weitergeht. Interviews mit den Feuerwehrleuten und den Hausbewohnern folgen. Es ist einer der größten Brände 2020 in der Region.

Den selben Reporter trifft es Ende November wieder: Zufällig hat er Bereitschaftsdienst, als es in der Austraße in Amberg brennt. Um 1.15 Uhr geht der Alarm ein, um 6.24 Uhr veröffentlicht der Kollege seine Reportage im Onetz. Der Hallen-Dachstuhl eines Zimmerei-Betriebs brennt. Fünf Feuerwehren (Amberg, Ammersricht, Gailoh, Karmensölden und Raigering) mit über 20 Fahrzeugen und rund 100 Einsatzkräften rücken an und kämpfen die ganze Nacht gegen die Flammen an.

Doch das Feuer ist schnell. Es greift auf eine zweite Halle, einen Lastwagen und ein mehrgeschossiges Geschäftsgebäude über, in dem unter anderem die Büros des Vereins Schädel-Hirnpatienten in Not sowie ein IT-Betrieb und eine Personalvermittlung untergebracht sind. Die Redaktion berichtet drei Tage lang über das Ereignis. Im Dezember entsteht ein Interview mit Feuerwehrleuten, die bereits vor 25 Jahren bei einem Brand an der selben Stelle im Einsatz waren. (Christopher Dotzler)

Der Brand in Hohenburg

Hohenburg

Der Brand in Amberg

Amberg

Redaktion zwischen den Stühlen: Streit um Hilfsaktion

Eine der diffizilsten Geschichten bahnte sich an, als sich die Redaktion wegen der Corona-Pandemie in Kurzarbeit befand. Im Sommer arbeiteten die Kollegen mit halber Besetzung und doppelter Anstrengung. „Spenden für Basti“ – dieser Slogan machte 2018 die Runde, als es darum ging, einem schwerkranken Buben aus Sulzbach-Rosenberg beizustehen. Der kleine Mann sollte in den Vereinigten Staaten operiert werden, ein Vorhaben, das viel Geld kosten würde.

Amberger und Sulzbach-Rosenberger Zeitung rührten kräftig die Werbetrommel und eine ganze Region entdeckte ein Wir-Gefühl: Basti wird geholfen. Über eine halbe Million Euro kommen schließlich zusammen. Das Wichtigste: Der Bub wird erfolgreich operiert, viel Geld bleibt übrig. Nun beginnen die Probleme.

Die Kolpingfamilie Herz Jesu Rosenberg hatte das Spendenkonto zur Verfügung gestellt, ist jetzt verpflichtet, das gesamte Projekt buchungstechnisch korrekt abzuwickeln. Im August landet der Fall vor dem Landgericht Amberg und die Redaktion berichtet – natürlich mit gemischten Gefühlen. Schließlich geben die Initiatoren, Bastis Familie und auch der Vorsitzende der Kolpingfamilie Interviews, in denen sie ihre Sicht der Dinge erläutern. (Uli Piehler)

Gespräch mit der Familie

Sulzbach-Rosenberg

Interview mit dem Vereinschef

Amberg

Zeitung sucht den Briefschlitzer

Eine Witwe aus Amberg hat sich im Sommer an die Redaktion gewandt: Mitten im Lockdown verstarb ihr geliebter Mann, der viele Freunde und Bekannte hatte. Nach und nach wurde der Ambergerin bewusst, dass viele Menschen ihr tröstende Worte spenden wollten, doch die von ihnen verschickten Kondolenzschreiben sollten niemals bei ihr ankommen. Von mindestens 35 Briefe wisse sie, sagte sie damals. Oft hatten die Absender Bargeld in das Kuvert gelegt, damit davon Blumenschmuck gekauft werden kann.

Die Amberger Zeitung wird tätig. Kollegin Stephanie Wilcke berichtet nicht nur über den Vorfall, sie konfrontiert die Deutsche Post auch mit den Vorwürfen. Danach erreichen die Redaktion viele weitere Mails, Anrufe und Briefe von ebenfalls Geschädigten. Es liegt der Verdacht nahe, dass bei der Verteilung oder Zustellung in Amberg, ein „Briefschlitzer“ am Werk ist, der es auf Kondolenzschreiben oder Glückwunschkarten abgesehen hat – wegen des oft wertvollen Inhalts.

Also verschickt die Redaktion selbst bunte Testbriefe mit Blumenaufklebern, legt gefaltetes Papier hinein, um Bargeld zu imitieren. Auch die Post beobachtet die Vorgänge bei sich, vier Wochen lang zeichnet eine Kamera die Arbeit der Mitarbeiter auf. Ohne Ergebnis: Vom „Briefschlitzer“ fehlt jede Spur. Der Konzern verspricht aber, „genau hinzusehen, was in Amberg vor sich geht“, wie ein Sprecher sagt. (Stephanie Wilcke)

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Amberg

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