08.09.2019 - 19:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Lösche-Prozess: Bruder fordert lebenslange Haft

Affekt oder Vorsatz? Totschlag oder Mord? Darüber hat im Fall Sophia Lösche das Bayreuther Schwurgericht zu befinden. Was genau geschah in der Fahrerkabine von Boujemaa L.? Und vor allem: wann und wo? An diesem Dienstag wird plädiert.

In Fußfesseln im Bayreuther Schwurgerichtssaal: Der des Mordes an der Tramperin Sophia Lösche angeklagte marokkanische Trucker Boujemaa L. (42).
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Am Sonntagnachmittag sitzt Andreas Lösche daheim in Bamberg und schreibt an seinem Plädoyer. Neben der Staatsanwaltschaft, dem Anwalt seiner Eltern, ebenfalls Nebenkläger im Mordprozess gegen Boujemaa L., und dem Verteidiger des marokkanischen Truckers wird Sophia Lösches Bruder auch plädieren - und eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes an seiner Schwester fordern.

Wie lange lebte Sophia Lösche noch? Wann starb sie? Und wo? Fragen, auf die es auch nach der Beweisaufnahme keine definitiven Antworten gibt. "Wir hatten uns erhofft, dass wir die Wahrheit erfahren werden, so schlimm sie auch ist", sagt Andreas Lösche. Doch der Wahrheit sei der Prozess kein Stück näher gekommen. Er glaubt nicht, dass der Angeklagte seine Schwester bereits auf dem Autobahnparkplatz Sperbes tötete - und damit wenige Stunden nachdem Sophia Lösche (28) am 14. Juni 2018 in Schkeuditz bei Leipzig zu Boujemaa L. in den Lkw eingestiegen war, um nach Amberg zu trampen.

Andreas Lösche ist fest davon überzeugt, dass der vierfache Familienvater Sophia in Sperbes zwar brutal schlug, weil sie sich gegen einen Annäherungsversuch des Angeklagten heftig zur Wehr setzte, aber erst Tage später in Frankreich umbrachte. Boujemaa L., der laut eines psychiatrischen Sachverständigen voll schuldfähig ist, hatte zugegeben, der jungen Frau mit einem Radmutterschlüssel den Schädel zertrümmert zu haben. In Sperbes will er das getan haben, nachdem es zwischen ihm und der Studentin - laut seiner Variante - zu einem Streit über einen Brocken Haschisch gekommen war.

Einen genauen Todeszeitpunkt und -ort konnten selbst Forensiker dem Schwurgericht nicht nennen. Weder die spanischen, die den am 21. Juni 2018 aufgefundenen Leichnam im Baskenland obduziert hatten, noch die Rechtsmedizin in Erlangen, wo Wochen später eine zweite Sektion erfolgt war. Die Spanierinnen hielten eine Tötung am 16. oder 17. Juni - und damit in Frankreich - für wahrscheinlich, ihre deutschen Kollegen tendierten eher zu dem Tag, an dem die Studentin nach Amberg trampen wollte, oder am Tag danach.

Bevor Vorsitzender Richter Bernhard Heim am 20. August die Beweisaufnahme schloss, gab er einen rechtlichen Hinweis: Es könnte - abweichend von der Anklage - auch ein Mord in Tatmehrheit mit einer gefährlichen Körperverletzung sein. Am diesem Dienstag wird plädiert, das Urteil wird dann für den 18. September erwartet.

So verlief der Mordprozess bisher:

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