10.10.2019 - 09:41 Uhr
Oberpfalz

Der Hopfen als Spekulationsobjekt

Im absatzstärksten Jahr 1895 werden 292 000 Zentner Hopfen gehandelt. Satte Erlöse verlocken auch zu betrügerischen Machenschaften.

Mit Hopfen beladenes Fuhrwerk vom Nürnberger Hopfenmarkt kommend (Archiv Dieter Dörner).

Anfangs kultivierte der brauberechtigte Bürger oder ein Zubrot suchender Nachbar den von ihm benötigten Hopfen in seinem Hopfengarten. Sicher war auch Zukauf notwendig. Dieser kam - da teurer und angeblich auch besser, vom Händler geschickt beworben - meist aus Böhmen. Nicht selten war es im 18. Jahrhundert heimischer Hopfen, der nach Böhmen exportiert und der besseren Erlöse wegen als böhmischer Hopfen reimportiert wurde.

Den Hopfenhandel - wie den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten schlechthin - teilte sich, regional unterschiedlich, die jüdische mit der christlichen Bevölkerung. In der Oberpfalz, in der sich bis 1861 keine Juden niederlassen durften, werden es überwiegend nichtjüdische Händler gewesen sein. Der Handel durch Juden wurde hier sehr restriktiv gehandhabt, in manchen Jahren war er ihnen ganz verboten. Anders in der Jungen Pfalz. Hier waren Juden ansässig, hier florierte der Handel.

Mit dem 1813 erlassenen Juden-Edikt räumte die Regierung den Juden weitgehende Freizügigkeit ein, ab 1861 freies Niederlassungsrecht. Christen wie Juden waren nun Handelspartner der inzwischen entstandenen zahllosen gewerblichen Brauereien. Bauern - bis zur Bauernbefreiung 1848 den Umgang mit Geld kaum gewohnt - verschuldeten sich nun häufig beim Händler und waren von dessen Wohlwollen abhängig.

Anders auf den Märkten und beim von der Regierung verpönten Handel in Gasthäusern. In vielen bäuerlichen Familien erzählt man heute noch, dass der jüdische Händler dem Bauern meist lieber war als der christliche. Während der Bauer dem christlichen Händler oft auf Kredit verkaufen musste, zahlten die jüdischen bar. Und cash auf die Hand zählte.

Es gab bis in das 20. Jahrhundert keine Stadt in der Oberpfalz ohne Hopfenhändler. Der erste jüdische Einwohner Nürnbergs nach über 350 Jahren war 1850 ein Hopfenhändler. Einerseits warf man Juden Spekulation und Wucher vor, andererseits waren sie es, die durch ihre Auslandsaktivitäten den Hopfenanbau in Bayern zur Blüte brachten. Von 25 Hopfenhandlungen 1858 stieg die Zahl auf 364 im Jahr 1895. Etwa 150 000 Zentner wurden im Jahresdurchschnitt am Hopfenmarkt abgesetzt, fast die gleiche Menge noch einmal außerhalb des Marktes gehandelt, insgesamt fast zwei Drittel der deutschen Ernte.

Im absatzstärksten Jahr 1895 waren es 292 000 Zentner. Zehn Prozent der Handelshäuser, großteils von ehemaligen Landjuden betrieben, bestritten etwa 95 Prozent des Umsatzes. Tausende lebten direkt und indirekt vom Hopfenhandel. Hopfen wurde gehortet, wurde zum Spekulationsobjekt. Satte Erlöse verlockten auch zu betrügerischen Machenschaften.

In böhmische Hopfensäcke wurde Oberpfälzer "Landhopfen" oder auch "Verschnitt", eine Mischung aus frischem und abgekochtem Hopfen, abgefüllt. Die Zugabe von Sand war ebenfalls erlösverbessernd, wie auch die Reimporte aus Böhmen.

Vor allem verschuldete Bauern verkauften häufig den Hopfen "auf der Wurzel", also Wochen vor der Ernte. Auch hier war Hopfen Spekulationsobjekt, wobei meist der Händler der Gewinner war. Verkauft wurde ja meist dann, wenn Geld benötigt wurde.

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