07.11.2019 - 09:48 Uhr
Oberpfalz

Im "Keferloher" schmeckt das Bier

Nach einem Ort in Oberbayern ist der tönerne Bierkrug benannt. Ab den 1920er Jahren wird das Gefäß für den Biergenuss maschinell gefertigt - und wird Werbeträger für Brauereien.

Das Bierfilzl war anfangs tatsächlich aus Filz gefertigt.

Der Bierkrug des Bauern und Handwerkers war ursprünglich aus Holz. Tönerne, meist verzierte Krüge, konnte sich nur das gehobene Bürgertum leisten. Um 1800 kam der "Keferloher", benannt nach dem Ort Keferloh in Oberbayern, als tönerner Bierkrug erstmals in Bayern in Gebrauch.

Sein Ursprung liegt vermutlich im Westerwald. Anfangs ein einfacher Tonkrug, wurde er bald zum salzglasierten Steinzeugkrug. In diesem hielt sich die Kohlensäure länger. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die meisten, heute grau glasierten Krüge und häufig mit Zinndeckel, aus dem Westerwald. Doch der Name "Keferloher" blieb, da bayerisch. Ab etwa 1920 wurden die handgedrehten Krüge nach und nach von maschinell gefertigten abgelöst. Der Name der Brauerei sollte sich natürlich auf dem "Keferloher" wiederfinden - anfangs von Hand eingeritzt, dann gepresst, schließlich bedruckt. Schließlich kamen, um Betrug beim Einschenken zu vermeiden, Eichzeichen auf jeden Masskrug: ein "1 L", einen Zentimeter unter den Krugrand. Moderne Brauweise führte zu stärker schäumendem Bier, so kam der Eichstrich schließlich vier Zentimeter unter den Krugrand. Inzwischen erließ die EU eine Verordnung nach der in "Keferloher" keine schäumenden Getränke mehr ausgeschenkt werden dürfen. Damit soll Betrug beim Einschenken verhindert werden. So löst nun nach und nach der Glaskrug den allseits beliebten Tonkrug ab.

Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war es üblich, dass man in der Stammwirtschaft anschreiben ließ. Die älteste, aus dem Bergbau übernommene Buchführungsart dürfte wohl das Kerbholz sein. Wirt und Gast hatten je einen Holzstab. Beide, aneinander gelegt, wurden für jedes getrunkene Bier mit einer Kerbe versehen. Entsprechend der Zahl der Kerben wurde abgerechnet. Da die Kerben beider Hölzer zusammenpassen mussten, war Betrug ausgeschlossen. Später lösten Tafel und Kreide diese Art der "Buchführung" ab. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts kannte man nur den Bierfilz, ein quadratischer aus Filz hergestellter Untersetzer für die Biermass. Er diente einerseits der Aufnahme von Feuchtigkeit, andererseits war er in Biergärten eine beliebte Abdeckung des Kruges zur Abwehr von Laub und Ungeziefer. Nach Gebrauch von der Bedienung eingesammelt, sollten diese gewaschen, das Restwasser mit Hilfe einer Bierfilzpresse herausgepresst und in einem Ständer zum Trocknen aufgestellt werden. Oft begnügte man sich jedoch nach dem Gebrauch mit einer Lufttrocknung - eine äußerst unhygienische Angelegenheit.

Über den Umweg "Pappe" wurden die Bierfilze um die Jahrhundertwende von solchen aus Holzschliff verdrängt. Bunt bedruckt diente der Untersetzer meist der Werbung der Brauerei oder war mit mehr oder weniger sinnvollen Sprüchen verziert. Er ersetzte auch das Kerbholz. Von der Bedienung angebrachte Striche, Kreuze und Preise sind Basis für die spätere Abrechnung.

Ein Masskrug (Nachfolger des „Keferloher“) aus dem Jahr 1899 mit Markierung „1 L“ einen Zentimeter unter dem oberen Rand aus dem Stadtmuseum Amberg.
Eine Bierfilzpresse.
Das Bierfilzl wird schnell zum Werbeträger für Brauereien. Bunt bedruckt wird es auch gerne mit mehr oder weniger spaßigen Sprüchen zur Erheiterung des Gastes.

Zu Teil 1 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

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Zu Teil 2 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

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Zu Teil 3 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

Oberpfalz

Zu Teil 4 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

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Zu Teil 5 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

Amberg

Zu Teil 6 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

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Zu Teil 7 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

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Zu Teil 8 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

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Zu Teil 10 der Serie über Bier und Hopfenanbau:

Sulzbach-Rosenberg
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