03.09.2019 - 17:09 Uhr
Oberpfalz

Bierland Bayern?

Bayern war bis zur Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert Weinland. Baierwein wurde von Niederbayern über die Oberpfalz bis nach Franken kultiviert. Bei der Amberger Hochzeit 1474 trank man keinen einzigen Liter Bier.

Die Darstellung eines Brauers Mitte des 15. Jahrhunderts in Nürnberg (Quelle: Wagner Margarete „Nürnberger Handwerker – Bilder und Aufzeichnungen aus den Zwölfbrüderhäusern 1388 – 1807“).

Bayern - seit 1000 Jahren Bierland? - Gerne hören wir den Spruch. Er mag auch mit großen Einschränkungen stimmen. So wissen wir von Klöstern und von Hausfrauen, die bereits vor 1000 Jahren Bier gebraut haben. 1031 mussten zum Beispiel die 13 zum Kloster St. Emmeram, Regensburg, gehörenden Bauernhöfe in Erlheim (Gemeinde Ursensollen, Landkreis Amberg-Sulzbach) bereits je 135 Liter (15 Seidel à 9 Liter) Bier im Jahr an das Kloster liefern.

Doch wir wissen nicht, womit das Bier gebraut wurde. Der einzig gesicherte "Stoff" ist Wasser, meist sehr zweifelhafter Qualität. Hopfen? Hildegard von Bingen erwähnt 1050 den Hopfen erstmals zur Haltbarmachung des Bieres. Wörtlich heißt es: "(...)Er mache die Menschen traurig und trockne ihre Eingeweide aus, allein durch seine Bitterkeit bewirke er, dass die Getränke, denen man ihn zusetzt, sich lange hielten." Demnach kannte man Hopfen bereits, verwendet wurde er jedoch hauptsächlich für medizinische Zwecke.  

Zum Bier brauen dienten über Jahrhunderte Wermut, Wacholder, Gagel, Eichenrinde, Kümmel, Bilsenkraut, Tollkirsche, Seidelbast - vieles, was Halluzinationen hervorruft. In unserer Region hören wir erstmals Mitte des 14. Jahrhunderts vom Hopfen im Vilstal und 1366 im "Böhmischen Salbüchlein" vom Hopfen in Sulzbach. Es war Wild-, Zaun-, Streuhopfen - man kannte die schädliche Wirkung des männlichen auf den weiblichen Hopfen noch nicht.

Zur Malz-Gewinnung diente Weizen. Deshalb muss kein Weizenbier getrunken worden sein. Zwar gab es der Hefe ähnliches, das von Sud zu Sud ähnlich Sauerteig "gerettet" wurde, doch man war bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht in der Lage, zwischen untergäriger und obergäriger Hefe zu unterscheiden. Ausschlaggebend war die Temperatur beim Brauen, das heißt im Winter gab es untergäriges, im Sommer obergäriges Bier. Alle kennen das Sprichwort "Heute back ich, morgen brau ich". Zur Verwunderung aller hatten die Bäcker meist das beste Bier - Hefesporen waren in der Luft. In Amberg wissen wir von einer Brauerei Mitte des 14. Jahrhunderts im autarken Bürgerspital.

Bayern war bis zur Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert Weinland. Baierwein wurde von Niederbayern über die Oberpfalz bis nach Franken kultiviert. Zahlreiche Flurbezeichnungen belegen dies noch heute. Bei der Amberger Hochzeit 1474 haben Gäste und Einwohner über fünf Tage um die 100 000 Liter Wein konsumiert, pro Person und Tag 2,5 bis 3 Liter, keinen einzigen Liter Bier. Der Wein hatte allerdings weniger Alkohol, als dies heute der Fall ist. Auch bei der Landshuter Hochzeit ein Jahr später ist kein einziger Liter Bier verzeichnet.

Hier geht es zum zweiten Teil der Bier-Historie:

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