14.11.2019 - 10:12 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Militäreinsatz im Bierkrieg

Erhöhungen des Bierpreises bleiben nie ohne Folgen, lehrt die Geschichte. 1844 müssen in München sogar Soldaten ausrücken. Der letzte bekannte Bierstreik wird 1960 in der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg ausgetragen.

Eine Postkarte von 1907 mit den Initiatoren des Bamberger Bierkrieges.

Weniger auf die schlechte Qualität, mehr auf den Preis des Bieres gehen die vor allem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stattgefundenen Bierkriege und Bierstreiks zurück. Die einfachste und am häufigsten praktizierte Möglichkeit war, bei einer Bierpreiserhöhung einfach die Brauerei zu wechseln oder - noch wirksamer - das Bier nun aus dem Nachbarort zu beziehen. So geschehen zum Beispiel 1907 in Bamberg, als eine Brauerei nach 200 Jahren erstmals den Preis erhöhte.

Krawalle in München

Schlimmer 1910 in Dorfen in Oberbayern. Zwei Brauereien wurden in Brand gesteckt, 25 Personen verhaftet und vor Gericht gestellt. Die Preiserhöhung wurde zurückgenommen. Noch wirksamer war die Münchener Bier-Revolution 1844. Einer Brotpreiserhöhung wegen Getreideknappheit folgte eine Erhöhung der Bierpreise.

Während man diese beim Brot hingenommen hatte, gab es beim Bier Krawalle. Das herbeigerufene Militär sollte gegen die Aufständischen vorgehen, verweigerte jedoch die Befehle. Der König lenkte ein und verfügte im Hofbräuhaus "dem Militär zuliebe" sogar eine Herabsetzung des Bierpreises.

Heute belustigend, damals ein ernst zu nehmender Vorgang: der Streik der Münchener Fabrikarbeiter. Aufgrund einer Bierpreiserhöhung traten diese in Bierstreik. Nach einer Woche schrieben die Fabrikbesitzer an die Brauereien, dass man es bei den alten Preisen bewenden lassen möge, da "die Fabrikarbeiter alle krank werden, da ihre Mägen das Wasser nicht vertragen".

Nach 110 Jahren wollten 1907 die Bamberger Brauereien erstmals den Preis erhöhen. Die Bamberger Bürger verzichteten nicht auf ihr Bier, sie holten es nun aus dem benachbarten Forchheim. Nach einer Woche war der Bierstreik, auch "Bierkrieg" bezeichnet, vorbei. Es blieb bei den alten Preisen.

Ein Kasten pro Schicht

Den letzten Bierstreik in Bayern dürfte es in der Oberpfalz gegeben haben: 1960 in der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg. Vorauszuschicken ist, dass Biergenuss, vor allem auch der Hitze wegen, in einem bayerischen Hüttenunternehmen selbstverständlich und nichts Verwerfliches war. Ein Hochofenarbeiter vertilgte während einer Schicht bis zu einem Kasten Bier. Der Durchschnittskonsum in den Werken Rosenberg, Haidhof, Fronberg und der Grube Sulzbach lag damals bei 1360 Hektoliter monatlich.

"Neue Besen kehren gut!", so glaubte ein 1960 neu eingestellter Generaldirektor, ein Alkoholverbot einführen zu müssen. 7500 Arbeiter (von fast 9000) legten die Arbeit nieder. Schmährufe erklangen bei einer Demonstration vor der Hauptverwaltung, weil nun die Arbeiter "gesundheitsschädliche Limonade" trinken sollten.

Dem Betriebsratsvorsitzenden gelang es schließlich, wenigstens eine Notmannschaft für die Aufrechterhaltung des Hochofenbetriebes zu motivieren. Drohungen, die Belegschaft freizusetzen, verhallten. Achtstündige Verhandlungen blieben ohne Ergebnis. SPD und CSU schlugen sich auf die Seite der Arbeiter.

Der wilde Streik begann am Donnerstag, 3. März 1960, im Rohrwerk und endete am Samstag mit dem Ergebnis, dass künftig nur noch eine Flasche à 0,5 Liter Bier während einer Schicht getrunken werden durfte.

Gedicht:

Bierstreik in der Maxhütte

In dem von Manfred Leis verfassten Heft „Bierstreik in der Maxhütte 1960“ befindet sich zum Geschehen und zum Ergebnis der Schlichtung ein von Heinrich Stubenvoll verfasstes Gedicht:

Haost as scho g’hört düi Neigkeit

– es soll koi Bier mehr geb’n,

von Limonad, Milch und Kaffee

soll’n mir in Zukunft leb’n.

Dao mou wos g’schehn, ab morg’n wird g’streikt,

des laß ma uns niat g’fall’n,

wao kam ma ohne Bier denn hi,

des wa’n ja Höllenqual’n.

Dao wird jetzt g’streikt,

denn des is z’vül,

läen d’ Oarbat Oarbat sa,

nao wern’s scho seh’ng wüis weitergeht,

wüis ohne uns dann wa.

Drei Toch lang stäeht des Werk dann still,

es haot se nix mehr g’ührt

und die Verhandlungen sie hob’n

zum Kompromiß dann g’führt.

Oi Seidl Bier – wos is des scho

wenn oin sao richtig durscht,

wenn da vor Durscht as Maul z’ampicht

nao is da alles wurscht.

Oi Seidl Bier wäellns uns jetzt geb’n

und des bei dera Hitz,

des moine isa bißel zw’eng,

wennsd wüi a Sau dao schwitzt.

Na ja – probiern mas halt amal

sog’n d’ Leit – doch siehe da,

der Bierkonsum er blieb konstant,

ob da ein Wunder g’schah?

Pro Mann und Schicht ein Seidl Bier,

der Umsatz blieb konstant,

so mancher trank für’n Andern mit

– ein Wunder wurd’s genannt.

Ein-Liter-Bierflaschen mit Lederriemen, vom Brotzeitholer in größeren Mengen über der Schulter getragen (aus „Der Bierstreik der Maxhütte 1960“ von Manfred Leissl).

Zum 1. Teil der Serie zum Thema "Bier in der Oberpfalz":

Oberpfalz

Zum 2. Teil der Serie zum Thema "Bier in der Oberpfalz":

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