24.10.2019 - 09:21 Uhr
Oberpfalz

Von Böttchern und Pichlern

Lange Zeit sind Holzfässer die einzige Möglichkeit, Bier zu transportieren und aufzubewahren. Der Inhalt ist nicht genormt und auch eine Mass enthält von Ort zu Ort eine unterschiedliche Menge.

Böttcher beringen ein Bierfass mit schmiedeeisernen Fassreifen.

Die heute übliche Bierflasche kennen wir erst seit etwa 100 Jahren. Bis dahin war das Holzfass unterschiedlicher Größe das einzige Behältnis. Hergestellt hat es der Böttcher aus Holzdauben, zusammengehalten ursprünglich mit hölzernen Fassruten, später mit schmiedeeisernen Fassreifen. Jedes Fass hatte ein Spundloch und ein Zapfloch.

In das vom Böttcher angelieferte Fass wurde nun flüssiges Pech eingefüllt und durch drehen und wenden das Innere des Fasses möglichst gleichmäßig ausgekleidet. Damit sollte das Entweichen von Kohlensäure vermieden werden. Gleichzeitig erhält man eine keimfreie Oberfläche. Nun wurde kaltes Wasser eingefüllt um Risse in der Pechschicht zu vermeiden.

Das Auspichen war meist Aufgabe der Lehrlinge. Unangenehm wurde es, wenn beim Öffnen des Spundlochs durch den Überdruck das Pech heraus spritzte, der Verschlussstopfen weit flog und das Pech den Lehrlingen um die Ohren spritzte.

Nach längerem Gebrauch musste die rissig oder undicht gewordene Pechschicht erneuert werden. Heißluft wurde in das Fass geleitet, das alte Pech verflüssigt, durch das Spundloch entleert und neues Pech eingefüllt. Nun wiederholte sich der Vorgang wie beim neuen Fass. Es schwenkten, drehten und schüttelten meist Lehrlinge das Fass, damit das Pech schön gleichmäßig verteilt wurde.

Ein 50-Liter-Fass fasste herstellungsbedingt und der unterschiedlichen Pechschicht wegen nicht immer exakt 50 Liter. So galt es beim ersten Füllen, die Füllmenge festzuhalten und in den Fassboden einzubrennen. So entstanden zum Beispiel 48,5- und 51-Liter-Fässer. Eine andere Möglichkeit war, die Anzahl der Massen, welche das Fass fasste, am Boden des Behälters zu markieren. Dies brachte jedoch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein kaum lösbares Problem mit sich: Anfangs definierte man die Mass, je nach Region, ganz unterschiedlich. 1811 wurde diese auf 1,069 Liter und gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf 1,0 Liter vereinheitlicht. Wie sollte nun zwischen einer 1,069er - und einer 1,0-Mass unterschieden werden?

Geeichte Bierfässer: Das linke enthält 54 Liter, das rechte 52 Liter.

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