26.09.2019 - 10:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Etikettenschwindel im Grenzland

Im Oktober 1844 findet der erste Hopfenmarkt in Amberg statt. Er wird ein Misserfolg. In weiter entfernten Gegenden lassen sich bessere Preise für Hopfen erzielen. Händler schaffen sogar inländischen Hopfen nach Böhmen und führen ihn wieder ein, um den Gewinn zu maximieren.

Der Hopfenmarkt rund um die Nürnberger Mauthalle.

Der besseren Preiskontrolle wegen war der Regierung an der Einrichtung von Hopfenmärkten gelegen, zumal diese der Spekulation Einhalt gebieten sollten. Die Resonanz war gering bis ablehnend. Schließlich kam es 1837 zu einem Markt in München, 1844 zu je einem in Amberg und 1846 in Nürnberg. Damals gab es in Nürnberg mehr Brauereien als in München. Zur Beseitigung der "Missstände der Bierpreise" wurden Hopfenmarktordnungen mit Marktzwang und beschränktem Wiederverkauf erlassen.

Im Hintergrund war eigentlich der festgeschriebene Bierpreis die Ursache für die Errichtung der Hopfenmärkte. Während für Gerste die Schrannenpreise zugrunde gelegt werden konnten, war man beim Hopfen auf die Angaben der Händler angewiesen. Diese nannten stets Höchstpreise, wie sie für böhmischen Hopfen galten.

Im Januar 1843 wurde die Stadt Amberg angewiesen, eine Hopfenmarktordnung zu erarbeiten und sich dabei an der des Münchener Hopfenmarktes zu orientieren. Am 6. September 1844 kam dann die Bekanntmachung: "Der Hopfenmarkt beginnt am Mittwoch, den 2. Oktober, dauert von Oktober bis April und wird jeweils am Mittwoch abgehalten." Inseriert wurde im Wochenblatt und durch Trommelschlag, Anschlägen an der Amtstafel und den fünf Stadttoren. Acht Tage später meldete die Stadt an die Regierung, dass der hintere Teil des Bürgerspitals zur Abhaltung des Hopfenmarktes hergenommen werde. Ein Marktaufseher und ein Beschaumeister wurden bestimmt, zum Auf- und Abladen des Hopfens besonders vertraute Leute verpflichtet. Bereits wenige Wochen nach Eröffnung stellte die Regierung fest, dass der Hopfenmarkt in Amberg ohne Erfolg verlief. Die Stadt argumentierte, dass man alles getan habe, um die Hopfenmärkte einer breiten Öffentlichkeit bis nach Nürnberg kund zu tun. Wenn die bisherigen Hopfenmärkte fast gar nicht besucht wurden, so läge die Schuld nicht beim Magistrat.

Auch im Folgejahr war der Umsatz trotz guter Ernte mäßig. Und 1846: "Dort wo Hopfenanbau betrieben wird, geht kein Brauer zum Handel. Dieser floriert in weiter entfernten Gegenden, wo bessere Preise zu erzielen sind." Es ging so weit, dass die Händler inländischen Hopfen nach Böhmen schafften und unter der Angabe es sei böhmischer wieder zurückbrachten, um bessere Preise zu erzielen. Amberg, mitten im Hopfenanbaugebiet gelegen, sei der ungeeignetste Platz für einen Hopfenmarkt.

1846 wurde der Nürnberger Hopfenmarkt gegründet, der ebenfalls mit einem Misserfolg begann. Hopfen wurde in den Wirtshäusern gehandelt. So konnten Abgaben umgangen und die vom Staat durch Preisaushang gewünschte Transparenz verhindert werden.

Anfang des 19. Jahrhunderts war das Schwefeln des Hopfens eine beliebte Methode, diesen zu konservieren. Wegen möglicher Schwefelrückstände wurde dies 1830 verboten. Mit der Expansion des Handels, vor allem nach dem Bau der Eisenbahnen, bestanden einige Länder auf geschwefelten Hopfen. Um Schaden abzuwenden, wurde 1858 das Verbot dahingehend geändert, dass nur der für den Export bestimmte Hopfen geschwefelt werden durfte - und zwar ausschließlich in Nürnberg.

Ein wahrer Glücksfall für den Handel der Stadt! Als 1862 das Verbot für ganz Bayern aufgehoben wurde, war der Vorsprung Nürnbergs von den Konkurrenten nicht mehr aufzuholen. Nürnberg wurde zum bedeutendsten Hopfenhandelszentrum der Welt.

Die Amberger Hopfenmarktordnung.

Hier geht es zum ersten Teil der Geschichte des Hopfenanbaus:

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Hier geht es zum zweiten Teil der Geschichte des Hopfenanbaus:

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